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Das karibische Paradies

Natur der Antillen

Tierwelt der Antillen

Ein grüner Kolibri an einer scharlachroten Hibiskusblüte im hellen Sonnenlicht.

Die Tierwelt der Antillen ist vor allem eines: eigen. Die Region ist einer von 36 Biodiversitäts-Hotspots der Erde, und 96 Prozent ihrer Amphibien- sowie 82 Prozent ihrer Reptilienarten kommen nirgendwo sonst vor. Dieselbe Insellage macht sie verwundbar — fast drei Viertel der Amphibien gelten als weltweit bedroht.

Schutzstatus altert. Jede Einstufung auf dieser Seite steht deshalb mit dem Jahr der Bewertung durch die IUCN dabei. Eine Kategorie ohne Jahreszahl sagt nichts: Sie kann von gestern sein oder von 2008.

Warum leben auf den Antillen so viele Arten, die es sonst nirgends gibt?

Weil eine Insel schwer zu erreichen und danach schwer zu verlassen ist. Wer es einmal über das Wasser geschafft hat — als Sämling im Treibgut, als Vogel im Sturm, als Eidechse auf einer entwurzelten Palme —, bleibt. Getrennt vom Festland entwickeln sich die Nachkommen anders weiter als ihre Verwandten, und nach einigen zehntausend Jahren ist daraus eine eigene Art geworden.

Daraus folgt ein Muster, das sich in den Zahlen direkt ablesen lässt: Je schlechter eine Gruppe über Wasser kommt, desto mehr Endemiten bringt sie hervor. Amphibien stehen ganz oben, Reptilien knapp darunter — Vögel, die fliegen, ganz unten.

ArtengruppeArtendavon nur hierAnteilglobal bedroht
Amphibien20019195,5 %146
Reptilien60249482,1 %184
Samenpflanzen10.9487.86871,9 %507
Säugetiere1045149,0 %26
Vögel56514826,2 %55
Knochenfische1.538654,2 %42
Gesamt14.1348.81762,4 %992

Die Gesamtzeile enthält zusätzlich Knorpelfische und riffbildende Korallen. Zahlen: Ökosystemprofil des Critical Ecosystem Partnership Fund von 2019. Dieselbe Erhebung nennt auch den Verlust: Vom ursprünglichen Lebensraum der Region sind noch rund zehn Prozent übrig. Eine Art mit winzigem Verbreitungsgebiet hat kein Ausweichgebiet — ein Hurrikan, eine eingeschleppte Katze, ein gerodeter Hang können genügen. Wie klein diese Räume sind, zeigt die Seite über den Regenwald der Antillen; warum junge Vulkaninseln und alte Kalkinseln verschiedene Arten tragen, die Seite über die Vulkane der Antillen.

Welche Landsäugetiere gibt es überhaupt?

Auffallend wenige — und der weitaus größte Teil der 104 Säugetierarten der Region sind Fledermäuse. Sie sind die einzige Gruppe, die den Weg über das Wasser regelmäßig schafft, und deshalb stehen sie in fast jeder Inselfauna.

Am Boden haben sich nur zwei Linien gehalten, beide Überreste einer sehr alten Fauna. Die Hutias sind katzengroße Nagetiere, die auf Kuba, Hispaniola und Jamaika leben und tagsüber in Bäumen und Felsspalten sitzen. Und die Schlitzrüssler, auf Spanisch almiquí, sind nachtaktive Insektenfresser mit einer langen, beweglichen Schnauze — eine der ganz wenigen Säugetiergruppen mit giftigem Speichel. Es gibt sie nur auf Kuba und Hispaniola. Der kubanische Schlitzrüssler galt jahrzehntelang als ausgestorben, bis er wieder nachgewiesen wurde; zu sehen bekommt man beide Arten praktisch nie.

Welche Papageien leben auf den Inseln — und wie geht es ihnen?

ArtInselEinstufung IUCNJahr der Bewertung
Kaiseramazone Amazona imperialisDominicavom Aussterben bedroht2021
Rotkehlamazone Amazona arausiacaDominicagefährdet2021
St.-Lucia-Amazone Amazona versicolorSt. Luciagefährdet2020
St.-Vincent-Amazone Amazona guildingiiSt. Vincentgefährdet2020
Puerto-Rico-Amazone Amazona vittataPuerto Ricovom Aussterben bedroht2020

Fünf Amazonenarten, jede auf genau einer Insel. Dominica hat als einzige zwei: die Kaiseramazone Amazona imperialis, auf der Insel Sisserou genannt und in Wappen und Flagge abgebildet, und die kleinere Rotkehlamazone Amazona arausiaca. Die IUCN führt die Kaiseramazone als vom Aussterben bedroht (Bewertung 2021), die Rotkehlamazone als gefährdet (2021). Hurrikan Maria hat 2017 den Wald entlaubt, in dem beide leben.

Die drei übrigen: die St.-Lucia-Amazone Amazona versicolor auf St. Lucia und die St.-Vincent-Amazone Amazona guildingii auf St. Vincent, beide gefährdet (2020), sowie die Puerto-Rico-Amazone Amazona vittata auf Puerto Rico, vom Aussterben bedroht (2020). Die Ursachen ähneln sich überall: verlorener Wald, Fang für den Heimtierhandel, dazu Stürme, die einen kleinen Bestand auf einen Schlag halbieren können. Papageien sind auf diesen Inseln kein Randthema — sie sind Nationalvogel, Wappentier und Wahrzeichen zugleich.

Ein großer Papagei mit grünem Gefieder und violett schimmernder Brust sitzt im hellen Licht auf einem Ast.
Die Kaiseramazone kommt weltweit nur auf Dominica vor und steht dort in Wappen und Flagge. Hurrikan Maria hat 2017 genau den Wald entlaubt, in dem sie lebt — ein kleines Verbreitungsgebiet verträgt keinen einzigen schlechten Tag.

Welcher Kolibri ist der kleinste Vogel der Welt?

Die Bienenelfe Mellisuga helenae, und sie lebt nur auf Kuba. Sie wiegt rund zwei Gramm, ist damit der kleinste Vogel überhaupt — und steht seit der Bewertung von 2021 als potenziell gefährdet auf der Roten Liste, weil ihr Lebensraum schrumpft.

Häufiger begegnen Ihnen im Inselbogen zwei andere Arten: der Purpurkehl-Karibkolibri Eulampis jugularis (nicht gefährdet, 2023) und der Antillenhaubenkolibri Orthorhyncus cristatus (nicht gefährdet, 2024). Beide sind an blühenden Hecken und Waldrändern zu sehen, oft im Vorgarten. Gefüttert wird nicht: Zuckerwasser aus fremder Hand verändert das Verhalten der Tiere und begünstigt Krankheiten.

Ein winziger Kolibri steht im Schwirrflug vor einer roten Blüte, die Flügel sind zu einem Schleier verwischt.
Zwei Gramm, wenige Zentimeter: Die Bienenelfe ist der kleinste Vogel der Welt und lebt nur auf Kuba. Die beiden Arten, denen Sie im Inselbogen tatsächlich begegnen, sind größer — und oft schon im Vorgarten zu sehen.

Warum sind die Leguane der Karibik so gefährdet — und was ist auf Grand Cayman gelungen?

Große, langsame, bodenlebende Pflanzenfresser sind auf Inseln ohne ursprüngliche Raubsäuger die ersten Verlierer, sobald Hunde, Katzen, Ratten und Schweine da sind. Entsprechend sieht die Liste aus: Der Jamaika-Leguan Cyclura collei auf Jamaika ist vom Aussterben bedroht (2021), der Nashornleguan Cyclura cornuta und der Ricord-Leguan Cyclura ricordii auf Hispaniola sind stark gefährdet (beide 2018). Der Kleine Antillenleguan Iguana delicatissima ist vom Aussterben bedroht (2018) — und hier ist die Hauptursache eine besondere: Der eingeschleppte Grüne Leguan kreuzt sich mit ihm, bis die eigene Art in der Mischform verschwindet.

Die Gegengeschichte steht auf Grand Cayman. Vom endemischen Blauen Leguan Cyclura lewisi lebten nach Angaben des National Trust for the Cayman Islands Anfang der 2000er Jahre weniger als 30 Tiere in freier Wildbahn. Eine Zuchtstation im Botanischen Garten, dazu zwei ausgewiesene Schutzgebiete, haben seither über 1.200 Tiere ausgewildert. Die IUCN hat die Art von „vom Aussterben bedroht“ auf stark gefährdet heruntergestuft — allerdings bereits 2012; eine neuere Bewertung gibt es nicht. Das ist die ehrliche Fassung: ein echter Erfolg, gemessen an einem inzwischen alten Befund.

Das auffälligste endemische Reptil der Region ist allerdings kein Leguan. Das Kubakrokodil Crocodylus rhombifer lebt weltweit nur in zwei Sumpfgebieten Kubas, vor allem in der Ciénaga de Zapata — kein anderes Krokodil der Erde hat ein so kleines Verbreitungsgebiet. Es ist kleiner als das Amerikanische Spitzkrokodil, hell gesprenkelt und ungewöhnlich beweglich an Land. Bedroht ist es doppelt: durch den Verlust der Feuchtgebiete und dadurch, dass es sich mit dem Spitzkrokodil kreuzt — dieselbe Falle, die auch dem Kleinen Antillenleguan gestellt ist.

Ein hell gesprenkeltes Krokodil liegt im flachen, sonnenbeschienenen Wasser eines Sumpfgebiets.
Das Kubakrokodil kommt nur in zwei Sumpfgebieten Kubas vor. Hybridisierung mit dem weiter verbreiteten Spitzkrokodil ist für diese Art dieselbe Gefahr wie der eingeschleppte Grüne Leguan für den Kleinen Antillenleguan.

Welche Meeresschildkröten kommen vor — und wie steht es um sie?

Vier Arten regelmäßig, und ihr Zustand ist sehr verschieden. Die Echte Karettschildkröte Eretmochelys imbricata ist vom Aussterben bedroht; die geltende globale Bewertung stammt von 2008. Die Unechte Karettschildkröte Caretta caretta gilt als gefährdet (2015). Die Lederschildkröte Dermochelys coriacea ist global gefährdet (2013), ihr nordwestatlantischer Bestand jedoch stark gefährdet (2019) — die Karibik gehört zu dessen Nistgebiet.

Und dann die Ausnahme: Die Grüne Meeresschildkröte Chelonia mydas wurde 2024 neu bewertet und gilt seither weltweit als nicht gefährdet — nach Jahrzehnten von Nistplatzschutz und Fangverboten. Das ist ein Erfolg und zugleich leicht misszuverstehen: Die Einstufung gilt für die Art im Weltmaßstab, nicht für einen einzelnen Strand und nicht für einen einzelnen Bestand.

Für Reisende ändert das nichts. Alle Meeresschildkröten stehen in Anhang I des Artenschutzabkommens CITES. Schmuck oder Souvenirs aus Schildpatt zu kaufen und auszuführen, ist keine Urlaubsentscheidung, sondern eine Straftat — der Zoll zieht ein und zeigt an. An den Nistabschnitten gilt nachts: kein Licht, kein Blitz, kein Weg zwischen Tier und Wasser. Mehr dazu auf der Seite über die Strände der Antillen.

Wann sieht man Wale und Seekühe?

Buckelwale Megaptera novaeangliae ziehen im Nordwinter aus dem Nordatlantik in die warmen Antillengewässer, um sich zu paaren und zu kalben; die Silver Bank nördlich der Dominikanischen Republik ist eines der bedeutendsten dieser Gebiete. Die Art gilt seit 2018 weltweit als nicht gefährdet — die beste Nachricht dieser Seite und das Ergebnis des Walfangverbots. Pottwale Physeter macrocephalus dagegen stehen als gefährdet (2022) auf der Liste; vor Dominica leben Familienverbände ganzjährig.

Die Karibische Seekuh Trichechus manatus ssp. manatus ist stark gefährdet (2023). Sie lebt in flachen Buchten, Flussmündungen und Mangroven und wird von Bootsschrauben verletzt. Für alle drei gilt dasselbe: Abstand. Mehrere Inseln schreiben Mindestabstände und Genehmigungen für Beobachtungsfahrten vor; Tiere werden nicht angelockt, nicht verfolgt und nicht berührt.

Welche Tiere gehören nicht hierher — und warum ist das ein Problem?

Nach dem Ökosystemprofil von 2019 bedrohen eingeschleppte Arten 19 Prozent der global gefährdeten Arten der Region. Das bekannteste Beispiel ist der Kleine Mungo, den man im 19. Jahrhundert gegen Ratten in den Zuckerrohrfeldern aussetzte. Die Datenbank der IUCN-Fachgruppe für invasive Arten fasst das Ergebnis trocken zusammen: gegen Ratten kaum wirksam, für die heimische Tierwelt verheerend. In der Karibik frisst er unter anderem die Gelege der Karettschildkröte.

Dazu kommen Ratten, verwilderte Katzen und Ziegen, der Grüne Leguan als Kreuzungspartner — und unter Wasser der Rotfeuerfisch, von dem die Seite über Tauchen und Unterwasserwelt handelt. Deshalb kontrollieren mehrere Inseln bei der Einreise Lebensmittel, Pflanzen und Saatgut. Der Überblick über die Naturthemen liegt auf der Seite Natur der Antillen, die geografische Einordnung auf der Seite Die Antillen in Karten.

Quellen und weiterführende Informationen

Quizfrage

Welche Tiergruppe der Antillen hat den höchsten Anteil an Arten, die es nirgendwo sonst gibt?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.

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