
Die Antillen sind kein einheitlicher Vulkanbogen. Die Kleinen Antillen bestehen aus zwei Reihen — einer jungen, tätigen Vulkankette innen und einer erloschenen, von Kalkstein überdeckten außen —, und die Großen Antillen sind etwas Drittes. Diese Geologie entscheidet über Sandfarbe, Riff, Steilwand und Regenwald — und damit über fast alles, was Reisende hier suchen.
| Reihe | Inseln (Auswahl) | Untergrund | Was daraus folgt |
|---|---|---|---|
| Innerer Bogen, jung und tätig | Saba, St. Kitts, Montserrat, Guadeloupe (Basse-Terre), Dominica, Martinique, St. Lucia, St. Vincent, Grenada | Basalt und Andesit | Berge, Regenwald, heiße Quellen, dunkler Sand |
| Äußerer Bogen, erloschen und von Kalkstein überdeckt | Anguilla, St. Martin, St. Barthélemy, Antigua und Barbuda, Grande-Terre auf Guadeloupe | Kalkstein über altem Vulkangestein | flach, trocken, helle Strände, breite Riffe |
| Große Antillen, alter Bogen an einer Blattverschiebung | Kuba, Hispaniola, Jamaika, Puerto Rico, Kaimaninseln | alter, abgetragener Inselbogen mit viel Kalkstein | Hochgebirge und Karst, kein tätiger Vulkan, aber erhebliche Erdbebengefahr |
| Sonderfall Barbados | Barbados | herausgehobener Akkretionskeil, von Korallenkalk überdeckt | flach und hell, an einzelnen Abschnitten rosa Sand |
| Vor Südamerika | Aruba, Bonaire, Curaçao | Südamerika vorgelagert, nicht Teil des Bogens | halbtrocken, Kakteenlandschaft, ufernahe Riffe |

Warum besteht der Inselbogen aus zwei Reihen?¶
Weil östlich der Kleinen Antillen die Atlantische Platte unter die Karibische abtaucht. In etwa hundert Kilometern Tiefe gibt sie Wasser ab, das Gestein im darüberliegenden Erdmantel zum Schmelzen bringt; das Magma steigt auf und tritt in einer Reihe parallel zum Graben aus. Das ist der innere, junge Vulkanbogen von Saba bis Grenada. Der äußere Bogen ist derselbe Vorgang, nur einige Millionen Jahre früher: Seine Vulkane sind längst erloschen und liegen unter Kalkstein, den ein flaches, warmes Meer über ihnen abgelagert hat.

Die Großen Antillen gehören zu keiner der beiden Reihen. Sie sind die abgetragenen Reste eines viel älteren Inselbogens am Nordrand der Karibischen Platte, wo sich die Platten seitlich aneinander vorbeischieben, statt übereinander zu tauchen. Deshalb steht dort kein tätiger Vulkan — aber die Erdbebengefahr ist erheblich, wie die Beben von 2010 und 2021 auf Haiti und die Serie von 2020 im Südwesten Puerto Ricos gezeigt haben. Die Einordnung der Inselgruppe steht auf der Seite über die Großen Antillen, die Karten dazu unter Die Antillen in Karten.
Warum ist der Sand mal hell und mal schwarz?¶
Weil er aus verschiedenen Dingen besteht, und zwar genau entlang der eben beschriebenen Grenze. Heller Karibiksand ist biogener Kalksand: zermahlene Korallenskelette, Muschel- und Schneckenschalen, Kalkalgen — er entsteht am Riff und liegt deshalb dort, wo dem flachen Kalkstein des äußeren Bogens ein breites Riff vorgelagert ist. Dunkler Sand ist verwittertes Lavagestein, herangetragen von den Flüssen der jungen Vulkaninseln, und reicht von grau über bronzefarben bis fast schwarz.

Die zweite Größe ist die Himmelsrichtung. Über der Karibik weht ganzjährig der Passat aus Ost bis Nordost; er baut über tausende Kilometer offenen Atlantik Wellen auf, die ungebremst auf die Ostküsten treffen, während die Westseiten im Windschatten der eigenen Insel liegen. Daraus folgt eine Arbeitsteilung, die fast überall im Bogen gilt: raue, windige Ostküste, ruhige Badebuchten im Westen. Warum es auch rosa Sand gibt, was Sargassum ist und welche Insel welchen Strand hat, steht auf der Seite über die Strände der Antillen.
Wo taucht man an einer Wand, wo am Hausriff?¶
Ebenfalls nach Geologie. Wo eine Insel steil aus der Tiefe aufsteigt, bricht die Riffkante nahezu senkrecht ab — das sind die Steilwände, für die die Kaimaninseln und Saba bekannt sind. Wo das Riff dagegen dicht am Ufer liegt und der Schelf schmal ist, steigt man vom Strand aus ein; Bonaire ist dafür der bekannteste Ort der Region. Dazu kommen Wracks, die aus sehr unterschiedlichen Gründen dort liegen, wo sie liegen.
Der Zustand dieser Riffe ist keine Nebensache, sondern die wichtigste Nachricht dieses Kapitels: Bleiche, Krankheiten und der eingeschleppte Rotfeuerfisch setzen ihnen zu, und wo die Riffe zurückgehen, versiegt zugleich der Sandnachschub für die hellen Strände. Zahlen, Regeln und die Frage, was man ohne Tauchschein sieht, stehen auf der Seite über Tauchen und Unterwasserwelt der Antillen.
Welche Vulkane sind heute wach?¶
Das Smithsonian Global Volcanism Program führt auf dem Bogen 16 Vulkane mit Ausbrüchen im Holozän; die meisten davon ruhen. Unter erhöhter Beobachtung stehen vor allem die Montagne Pelée auf Martinique, deren Ausbruch von 1902 die Stadt Saint-Pierre vernichtete und den Begriff der Glutwolke in die Wissenschaft brachte, und die Soufrière Hills auf Montserrat, deren Ausbrüche ab 1995 die Hauptstadt Plymouth unbewohnbar machten. Dazu kommt Kick ’em Jenny, ein unterseeischer Vulkan vor Grenada mit dauerhafter Sperrzone für Schiffe.
Warnstufen ändern sich, und eine Angabe ohne Datum ist wertlos. Die Seite über die Vulkane der Antillen führt deshalb jeden Stand mit dem Tag, an dem er bei der zuständigen Beobachtungsstelle nachgeschlagen wurde — und sie nennt auch die Inseln, die trotz Lage im Bogen keinen Holozän-Vulkan tragen.
Warum steht auf so kleinen Inseln Regenwald?¶
Weil Regenwald keine große Fläche braucht, sondern Höhe. Der Passat drückt feuchte Atlantikluft an die steilen Vulkanberge des inneren Bogens; die Luft steigt auf, kühlt ab und regnet ab. Auf Dominica fallen im Landesinneren über 10.000 Millimeter Niederschlag im Jahr, an der Leeküste nur 1.200 — auf einer Insel von rund 750 Quadratkilometern, etwas weniger als Hamburg. Deshalb liegen tropischer Regenwald und trockene Küste hier oft eine Autostunde auseinander, und deshalb gibt es auf den flachen Kalkinseln des äußeren Bogens keinen.
Wer dort wandert, sollte die Höhenunterschiede ernst nehmen: Es ist im Wald erheblich kühler und nasser als am Strand, Wege werden rutschig, und das Wetter wechselt schnell. Welche Höhenstufen ein Karibikwald durchläuft, was den Morne Trois Pitons National Park zum Welterbe macht und warum El Yunque auf Puerto Rico ein Sonderfall ist, erklärt die Seite über den Regenwald der Antillen.
Warum leben hier Arten, die es sonst nirgends gibt?¶
Weil eine Insel eine Sackgasse ist. Was hierher gelangte, entwickelte sich getrennt vom Festland weiter, oft getrennt sogar von der Nachbarinsel — die Region gilt als einer von 36 Biodiversitäts-Hotspots der Erde, und 96 Prozent ihrer Amphibien- sowie 82 Prozent ihrer Reptilienarten kommen nirgendwo sonst vor. Dieselbe Lage macht die Bestände verwundbar: Ein kleines Verbreitungsgebiet verträgt weder einen Hurrikan noch eine eingeschleppte Art.
Auffällig sind Kolibris, Amazonenpapageien und Leguane, im Wasser Meeresschildkröten, Buckelwale in den Wintermonaten und Seekühe. Welche Art wie eingestuft ist — mit dem Jahr der Bewertung, denn ein Schutzstatus ohne Jahreszahl sagt nichts —, steht auf der Seite über die Tierwelt der Antillen.
Was heißt das für eine Reise?¶
Dass die Frage nicht „Karibik oder nicht“ lautet, sondern „welche Reihe“. Wer weiß, wonach er sucht, findet es meist auf wenigen Inseln:
| Wonach Sie suchen | Wo es steht | Warum dort |
|---|---|---|
| Regenwald und Nebelwald | Dominica, Guadeloupe (Basse-Terre), Martinique, St. Lucia; Puerto Rico, Jamaika | hohe Berge im Passat — Regenwald der Antillen |
| tätige Vulkane und heiße Quellen | Montserrat, Martinique, Guadeloupe, St. Vincent, St. Lucia, Dominica | der junge innere Bogen — Vulkane der Antillen |
| lange helle Strände | Anguilla, Antigua und Barbuda, Aruba, Kaimaninseln, Punta Cana | Kalkstein und breites Riff — Strände der Antillen |
| Steilwandtauchen | Kaimaninseln, Saba | die Insel ist die Spitze eines steilen Rückens |
| Tauchen vom Ufer aus | Bonaire, Curaçao | Riff dicht am Ufer, Leeseite, kaum Wellen — Tauchen und Unterwasserwelt |
| Wale | Bucht von Samaná (Dominikanische Republik), vor Dominica | warme flache Kalbungsgebiete im Nordwinter |
| Kakteen und Trockenwald | Aruba, Bonaire, Curaçao; Südwesten Puerto Ricos, Südwesten der Dominikanischen Republik | außerhalb des Passats oder im Regenschatten |
| Karst und Höhlen | Kuba (Viñales), Jamaika (Cockpit Country) | alter, gehobener Kalkstein der Großen Antillen |
Wer Berge, Wasserfälle und Wanderwege sucht, reist auf den inneren Bogen; wer flaches Wasser, breite helle Strände und lange Riffe sucht, auf den äußeren oder auf die Großen Antillen. Die Vergleichsseite welche Karibikinsel zu mir passt führt das durch, und zeitlich gilt für alle dasselbe: Dezember bis April ist die Trockenzeit, die Hurrikansaison läuft vom 1. Juni bis zum 30. November. Welche Inseln zu welcher Reihe gehören, zeigt die Übersicht der Kleinen Antillen. Eine Altlast, die man der Landschaft nicht ansieht, behandelt die Seite Chlordécone.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Smithsonian Institution — Global Volcanism Program: Bogenaufbau, Holozän-Vulkane der Kleinen Antillen und Ausbruchsgeschichte
- IUCN Red List of Threatened Species: Schutzstatus der genannten Arten samt Jahr der Bewertung
- NOAA Coral Reef Watch: Temperatur- und Bleichdaten für die karibischen Riffe
- U.S. Geological Survey — Seismicity of the Earth 1900–2010, Caribbean Plate and Vicinity: Plattengrenzen, Bewegungsraten und Bebengeschichte der Region
- Royal Botanic Gardens, Kew — Plants of the World Online: Verbreitung der Wald- und Küstenvegetation des Bogens
Quizfrage
Warum ist der Sand an vielen Stränden der Kleinen Antillen dunkel bis fast schwarz?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.