
Fast jede Antilleninsel hat einen Kreuzfahrthafen, aber kaum zwei sind gleich. Manche Piers liegen im Ortskern, andere Kilometer davon entfernt, und einige Inseln haben gar keinen Pier, sondern werden nur mit Tenderbooten bedient. Diese Übersicht ordnet die Häfen und sagt, was ein Tag an Land jeweils hergibt.
Warum entscheidet der Hafen über den Tag an Land?¶
Weil ein Hafentag eine feste Zeitmenge ist und der Weg vom Schiff in den Ort davon abgeht. Liegt der Pier im Zentrum, ist man nach zehn Minuten dort, wo die Insel stattfindet. Liegt er in einem Industriehafen, gehen leicht zwei Stunden für Hin- und Rückweg drauf — von acht oder neun Stunden Liegezeit. Und wird getendert, kommt die Wartezeit auf das Boot dazu, in beide Richtungen.
Die zweite Größe ist die Insel selbst. Auf kleinen Inseln erreicht man von der Pier aus fast alles; auf großen ist der Hafen nur der Anfang. Wer in Ocho Rios an Land geht, hat Jamaika nicht gesehen, sondern die Nordküste — die Berge, Kingston und der Osten liegen außer Reichweite. Genau deshalb verlinkt diese Seite auf die Inselporträts, statt sie nachzuerzählen: Der Hafen sagt, wo der Tag beginnt, die Inselseite sagt, ob er sich lohnt.
Pier oder Tenderboot — was ändert das?¶
Alles am Zeitplan. An einem Pier geht man über eine Gangway an Land, jederzeit und ohne Anmeldung. Beim Tendern ankert das Schiff auf Reede, und Beiboote bringen die Gäste in Gruppen an den Anleger. Das bedeutet Wartenummern am Morgen, eine Schlange am späten Nachmittag und ein echtes Risiko bei Wind: Ist der Seegang zu hoch, wird der Landgang ganz gestrichen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist das Übersteigen in ein bewegtes Boot zudem eine reale Hürde — wer darauf angewiesen ist, sollte vor der Buchung wissen, welche Häfen der Route getendert werden.

Ein bekanntes Beispiel für einen reinen Tenderhafen ist George Town auf den Kaimaninseln: Ein fester Anleger für große Schiffe fehlt bis heute, und in einer Volksabstimmung 2025 wurde der Bau abgelehnt. Getendert wird außerdem in Gustavia auf St. Barthélemy und in den wenigen Häfen der kleinsten Inseln.
Welche Insel hat welchen Hafen?¶
Die folgende Tabelle listet die Häfen des Antillenbogens, die von Kreuzfahrtschiffen angelaufen werden, mit der Art des Anlegens und dem Weg in den Ort. Sie ist bewusst knapp gehalten: Was auf der Insel selbst zu sehen ist, steht auf der jeweiligen Inselseite, die in der ersten Spalte verlinkt ist. Nicht aufgeführt sind Häfen außerhalb der Antillen — Cozumel, Roatán und die mittelamerikanische Küste gehören geografisch nicht zu dieser Region, auch wenn sie auf westlichen Routen vorkommen. Zwei Zeilen ruhen derzeit, und das steht bei ihnen: Ein Hafen, den es gibt, ist nicht dasselbe wie ein Hafen, der angelaufen wird.
| Insel | Hafen | Anlegen | Weg in den Ort |
|---|---|---|---|
| Puerto Rico | San Juan | Pier | Piers liegen am Rand der Altstadt — zu Fuß |
| Jamaika | Ocho Rios, Falmouth, Montego Bay | Pier | je nach Hafen fußläufig oder per Shuttle |
| Kaimaninseln | George Town | nur Tender | Anleger mitten im Ort |
| Dominikanische Republik | zwei benachbarte Terminals bei Puerto Plata, dazu La Romana und Santo Domingo | Pier | Terminalgelände; in die Städte nur per Fahrt |
| Kuba | Havanna | Pier | Altstadt unmittelbar gegenüber — ruht: seit dem US-Verbot von 2019 laufen internationale Reedereien die Insel kaum noch an |
| Haiti | ein abgezäuntes Reedereigelände an der Nordküste | Pier | ein Ortsbesuch war nie vorgesehen — ruht: die Anläufe sind seit 2024 ausgesetzt und bis auf Weiteres gestrichen |
| Amerikanische Jungferninseln | Charlotte Amalie (zwei Piers), Frederiksted auf St. Croix | Pier | Ortskern per Shuttle, Taxi oder Wassertaxi |
| Britische Jungferninseln | Road Town auf Tortola | Pier | Ortskern zu Fuß |
| St. Martin / Sint Maarten | Philipsburg | Pier | in den Ort per Wassertaxi oder über die Strandpromenade |
| St. Kitts und Nevis | Basseterre | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Antigua und Barbuda | St. John’s | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Guadeloupe | Pointe-à-Pitre | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Dominica | Roseau, dazu ein zweiter Liegeplatz im Norden | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Martinique | Fort-de-France | Pier | Ortskern zu Fuß |
| St. Lucia | Castries | Pier | Ortskern zu Fuß oder per Wassertaxi über die Bucht |
| St. Vincent und die Grenadinen | Kingstown | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Barbados | Bridgetown, Tiefwasserhafen | Pier | außerhalb des Zentrums — Shuttle, Taxi oder längerer Fußweg |
| Grenada | St. George’s | Pier | Carenage zu Fuß |
| Trinidad und Tobago | Port of Spain, Scarborough auf Tobago | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Aruba | Oranjestad | Pier | Ortskern zu Fuß |
| Curaçao | Willemstad | Pier | Otrobanda zu Fuß, Punda über die Pontonbrücke |
| Bonaire | Kralendijk | Pier | Ortskern zu Fuß |
| St. Barthélemy | Gustavia | Tender | Anleger mitten im Ort |
| Anguilla, Montserrat, Saba und Sint Eustatius | keine regulären Anläufe großer Schiffe | Tender, kleine Schiffe | — |
Wie weit ist es vom Pier in den Ort?¶
Es gibt drei Muster, und man erkennt sie im Voraus an der Karte. Beim ersten liegt der Pier im Ort: St. John’s, Basseterre, Roseau, Kingstown, Kralendijk, Oranjestad, Road Town. Man geht von der Gangway in die Hauptstraße, und der Tag beginnt sofort. Beim zweiten liegt der Pier am Ortsrand oder gegenüber: Willemstad, Castries, Philipsburg, Charlotte Amalie. Hier überbrücken Wassertaxis, Shuttles oder ein Fußweg entlang der Bucht die Lücke — Aufwand, aber kein Hindernis. Beim dritten liegt der Pier in einem Fracht- oder Freihafen: Bridgetown, Montego Bay, die Terminals in der Dominikanischen Republik. Dort steht am Ausgang ein Shuttle, und ohne ihn ist der Weg unangenehm.

Eine Ausnahme kennt der Bogen noch: die abgezäunten Reedereigelände, bei denen der Pier gar nicht zu einem Ort führt, sondern zu einem Strand, der eigens dafür angelegt wurde. Das kommt in der Region an der Nordküste Haitis und in der Dominikanischen Republik vor. Als Strandtag funktioniert das gut; ein Landgang im Sinne dieses Reiseführers ist es nicht. Das haitianische Gelände zeigt zugleich, wie wenig ein solcher Pier mit dem Land verbunden ist, in dem er liegt: Wegen der Sicherheitslage werden die Anläufe dort seit 2024 ausgesetzt, ohne dass das Gelände selbst betroffen wäre — eine Reederei streicht in diesem Fall einen Strand, kein Reiseziel.
Was geht an einem Hafentag realistisch?¶
Eine Sache, nicht drei. Von der Liegezeit gehen der Weg in den Ort, der Rückweg und ein Sicherheitspuffer ab; was bleibt, reicht für den Ortskern oder für ein Ziel im Landesinneren oder für einen Strand. Wer alles drei versucht, sieht nichts davon.
Was eine Liegezeit von typischerweise acht bis neun Stunden übrig lässt, hängt fast nur an der Lage des Piers. Die vier Muster oben in dieser Reihenfolge:
| Lage des Piers | Zeit für Hin- und Rückweg | Was in der verbleibenden Zeit realistisch ist | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Pier im Ort | kaum messbar | Der Ortskern in Ruhe und ein Ziel in der Nähe — oder ein langer Strandnachmittag | St. John’s, Basseterre, Roseau, Kingstown, Kralendijk, Oranjestad, Road Town |
| Pier am Ortsrand oder gegenüber | je nach Wassertaxi oder Shuttle eine halbe bis eine Stunde | Der Ortskern oder ein Ziel im Umland, nicht beides | Willemstad, Castries, Philipsburg, Charlotte Amalie |
| Fracht- oder Freihafen | bis zu zwei Stunden | Ein einziges Ziel, mit Shuttle oder als gebuchter Ausflug | Bridgetown, Montego Bay, die Terminals bei Puerto Plata |
| Tenderhafen | eine bis zwei Stunden Warten und Übersetzen | Ein Vorhaben nahe am Anleger. Bei zu hohem Seegang gar nichts | George Town, Gustavia |
Dazu kommt ein Faktor, den die Liegezeit nicht verrät: wie viele Schiffe an diesem Tag da sind. An den großen Häfen der östlichen Routen liegen an Spitzentagen mehrere große Einheiten gleichzeitig; dann halten sich in einem Ort mit wenigen tausend Einwohnern zeitweise mehr Gäste auf als Einheimische dort wohnen. Das verändert Wartezeiten, Preise und die Stimmung auf der Hauptstraße erheblich. Wer Ruhe sucht, geht früh von Bord und kehrt um die Mittagszeit um — oder wählt eine Route, die seltener bediente Häfen anläuft.

Ein Wort zur Barrierefreiheit, weil es sonst kaum irgendwo steht: Piers sind in aller Regel eben und zugänglich, Tenderboote sind es nicht. Das Übersteigen mit Rollstuhl oder Rollator kann abgelehnt werden, wenn der Seegang es nicht zulässt — diese Entscheidung trifft die Schiffsführung vor Ort und nicht die Buchung. Wer darauf angewiesen ist, sollte die Tenderhäfen einer Route vorher kennen und im Zweifel eine Route ohne sie wählen.
Für die Wahl hilft eine einfache Unterscheidung. Ein Ausflug der Reederei kostet mehr und ist starrer — aber das Schiff wartet auf ihn, weil es sein eigener ist. Ein selbst organisierter Tag ist günstiger und freier, verlangt aber, dass Sie Ihre Rückkehrzeit selbst verantworten: Die letzte Einschiffungszeit liegt in der Regel eine halbe Stunde vor dem Ablegen, und sie gilt in Bordzeit — die auf mehreren Inseln von der Ortszeit abweicht. Diese eine Zahl ist die wichtigste des Tages. Alles Weitere zum Ablauf an Bord steht unter die erste Kreuzfahrt.
Woran erkennt man einen Heimathafen?¶
Daran, dass die Reise dort beginnt und endet. In der Region sind das vor allem San Juan auf Puerto Rico und Bridgetown auf Barbados, dazu die Häfen Floridas außerhalb der Antillen. Ein Heimathafen bedeutet für Reisende dreierlei: einen Flug dorthin, in aller Regel einen Vor- oder Nachtag — und die Einreiseformalitäten des betreffenden Landes. Bei San Juan heißt das US-Einreiserecht mit ESTA oder Visum, auch wenn das Reiseziel eine karibische Insel ist; die Einordnung steht unter Einreise und Visum.
Welche Häfen in welcher Reihenfolge zusammengehören, zeigt die Seite zu den Karibik-Routen; die Reiseform insgesamt ordnet der Hub Kreuzfahrten in der Karibik ein. Und wer sich fragt, ob ein Hafentag überhaupt die richtige Art ist, eine Insel kennenzulernen, findet die ehrliche Gegenüberstellung unter Kreuzfahrt oder Inselurlaub.
Welches Schiff welchen Hafen anläuft, steht im Fahrplan der jeweiligen Reederei. Einen Überblick über die aktuellen Karibikrouten gibt es bei den Karibik-Kreuzfahrten auf reise.de.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Florida-Caribbean Cruise Association: Anläufe, Passagierzahlen und Hafenprofile der karibischen Zielhäfen
- Auswärtiges Amt — Reise- und Sicherheitshinweise: Einreisebestimmungen der Hafenstaaten und Sonderregeln für Kreuzfahrtgäste, tagesaktuell
- Europäische Kommission — Rechte von Schiffsreisenden: Geltungsbereich bei Annullierung, Verspätung und eingeschränkter Mobilität
- NOAA National Hurricane Center: Klimatologie der Hurrikansaison, die über Routenänderungen entscheidet
Quizfrage
Ein vielbesuchtes Kreuzfahrtziel der westlichen Karibik hat bis heute keinen Pier für große Schiffe — alle Gäste kommen mit Tenderbooten an Land. Welches?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.