
Die Windward Islands sind der südliche Teil der Kleinen Antillen: von Dominica über Martinique, St. Lucia und St. Vincent bis Grenada, konventionell dazu Barbados und Trinidad und Tobago. Sie sind höher, grüner und regenreicher als die Leeward Islands im Norden. Auf Deutsch gehören beide Gruppen zu den Inseln über dem Winde.
| Lage | südlicher Teil der Kleinen Antillen, von Dominica bis Grenada |
|---|---|
| Deutscher Name | Teil der „Inseln über dem Winde“ — zusammen mit den Leeward Islands |
| Unabhängige Staaten | Dominica, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Grenada, Barbados, Trinidad und Tobago |
| Zu Frankreich | Martinique — Überseedepartement, Euro, EU-Gebiet |
| Sprachen | Englisch, Französisch — dazu die französischbasierte Kreolsprache Kwéyòl und englischbasierte Kreolsprachen |
| Währungen | Ostkaribischer Dollar, Euro, Barbados-Dollar, TT-Dollar |
| Höchster Berg | Morne Diablotins, 1.447 Meter (Dominica) |
| Tätige Vulkane | La Soufrière auf St. Vincent, Montagne Pelée auf Martinique, Kick ’em Jenny vor Grenada |
| Beste Reisezeit | Dezember bis April (Trockenzeit) |
| Hurrikansaison | 1. Juni bis 30. November, Höhepunkt August bis Oktober |
| Flugzeit ab Frankfurt | rund zehn Stunden |
Welche Inseln gehören zu den Windward Islands?¶
Der Kern der Gruppe ist die Kette von Dominica bis Grenada — fünf Inselstaaten und ein französisches Departement:
- Dominica — die grünste und am wenigsten erschlossene: Regenwald, Flüsse, heiße Quellen und mit dem Morne Trois Pitons National Park ein UNESCO-Welterbe.
- Martinique — französisches Überseedepartement, Euro, EU; darüber die Montagne Pelée.
- St. Lucia — die beiden Pitons, seit 2004 UNESCO-Welterbe, und das stärkste Pauschalreiseangebot der Gruppe.
- St. Vincent und die Grenadinen — eine vulkanische Hauptinsel und eine Perlenschnur kleiner Segelinseln.
- Grenada — Muskatnuss, Nelken und Zimt; die Insel gehört zu den größten Muskaterzeugern der Welt.
Zwei weitere werden konventionell dazugezählt, obwohl sie streng genommen nicht im Bogen liegen: Barbados rund 150 Kilometer weiter östlich und Trinidad und Tobago vor der Küste Venezuelas. Warum das so ist, steht weiter unten. Wie die Inseln zueinander liegen, zeigen die Karten der Antillen.
Warum heißen sie Windward, und was heißt das auf Deutsch?¶
Der Name stammt aus der Segelschifffahrt. Schiffe aus Europa liefen mit dem Nordost-Passat im Rücken zuerst die südöstlichen Inseln an; sie lagen damit im Wind, luvwärts — englisch windward. Alles, was von dort aus weiter nordwestlich lag, war in Lee, also leeward. Die Einteilung beschreibt eine Anfahrtsroute, nicht das Klima: Der Passat weht über beide Gruppen.
Die Briten machten daraus eine Verwaltungseinheit. Zur Kolonie der Windward Islands gehörten Grenada, St. Vincent und St. Lucia, zeitweise auch Barbados, das 1885 ausschied. Dominica kam erst 1940 dazu — bis dahin war die Insel seit 1871 Teil der Kolonie der Leeward Islands. Deshalb steht Dominica bis heute in älteren Büchern im Norden und in neueren im Süden.
Im Deutschen funktioniert die Benennung anders, und das ist die häufigste Verwechslung der Region. Inseln über dem Winde meint den gesamten östlichen Bogen — Leeward Islands und Windward Islands zusammen. Inseln unter dem Winde meint dagegen die Leeward Antilles ganz im Süden vor Venezuela, wo der Passat kaum noch ankommt. Die deutschen und die englischen Namen lassen sich also nicht eins zu eins übersetzen.
Warum sind die Windward Islands grüner als der Norden?¶
Weil sie höher sind. Der innere, junge Vulkanbogen der Kleinen Antillen erreicht hier seine größten Höhen: Morne Diablotins auf Dominica misst 1.447 Meter, die Montagne Pelée auf Martinique knapp 1.400. Solche Berge zwingen die feuchte Passatluft zum Aufsteigen, und was aufsteigt, regnet ab. Das Ergebnis sind Regenwald an den Luvhängen, Nebelwald auf den Kämmen, ganzjährig wasserführende Flüsse und ein deutlich trockenerer Lee-Streifen an der Westküste — ein Unterschied, den man auf Dominica innerhalb einer Autostunde durchfährt.
Anders als im Norden fehlt hier weitgehend der äußere Kalkbogen, der Anguilla oder Antigua flach und trocken macht. Die Ausnahme ist Barbados: flach, aus gehobenem Meeresboden mit einer dicken Kappe aus Korallenkalk, und deshalb im Landschaftsbild eher eine Verwandte von Antigua als von St. Vincent. Wie dieselbe Geologie Wald, Strandfarbe und Tierwelt prägt, steht auf den Seiten über Regenwald und Nebelwald und über die Strände der Antillen.
Welche Vulkane sind hier tätig?¶
Drei, und alle drei haben in jüngerer Zeit von sich reden gemacht. Auf St. Vincent schlug La Soufrière im April 2021 von ruhigem Domwachstum in heftige Explosionen um; der Norden der Insel musste geräumt werden, Asche fiel bis nach Barbados. Auf Martinique riss am 8. Mai 1902 eine Glutwolke der Montagne Pelée die Stadt Saint-Pierre in wenigen Minuten nieder — der Ausbruch gab dem Fachbegriff nuée ardente seinen Namen; seit 2023 sind die Vulkane und Wälder des Nordens UNESCO-Welterbe. Vor Grenada liegt Kick ’em Jenny, ein unterseeischer Vulkan rund acht Kilometer nördlich der Insel, dessen Gipfel etwa 185 Meter unter der Wasseroberfläche steht; um ihn gilt eine dauerhafte Sperrzone für Schiffe.
Für Reisende heißt das nicht Gefahr, sondern Informationspflicht: Alle drei werden laufend überwacht, und wer in ein Gipfelgebiet will, liest vorher das Bulletin der zuständigen Stelle. Die vollständige Übersicht mit Höhen, Warnstufen und Observatorien steht auf der Seite über die Vulkane der Antillen.
Warum gehören Barbados und Trinidad und Tobago dazu?¶
Aus Gewohnheit, nicht aus Geologie — und beide Male lohnt es, den Unterschied zu kennen. Barbados liegt rund 150 Kilometer östlich des Bogens, sitzt auf einer anderen Struktur und ist kein Vulkan, sondern gehobener Meeresboden unter Korallenkalk. Es gibt dort keine schwarzen Strände und kaum Berge; dafür ist die Insel seit 1966 unabhängig, seit 2021 eine Republik und mit Bridgetown einer der Starthäfen der Karibikkreuzfahrt.
Trinidad und Tobago wiederum gehört geologisch zu Südamerika: Beide Inseln stehen auf dem Kontinentalschelf und waren in der Eiszeit mit dem Festland verbunden. Deshalb tragen sie eine kontinentale Tierwelt — Brüllaffen, Ozelots und eine Zahl von Kolibriarten, die es weiter nördlich im Bogen nicht gibt. Auch wirtschaftlich fällt der Staat heraus: Er lebt von Erdöl und Erdgas, nicht vom Tourismus. Tobagos Main Ridge Forest Reserve steht seit 1776 unter Schutz und ist damit eines der ältesten Waldschutzgebiete der Welt.
Wer lebt auf den Windward Islands?¶
Rund zweieinhalb Millionen Menschen, die weit überwiegend von versklavten Afrikanerinnen und Afrikanern abstammen, die während der Kolonialzeit für die Zuckerplantagen hierher verschleppt wurden. Nach der Abschaffung der Sklaverei warben die Pflanzer Kontraktarbeiter aus Indien an — auf Trinidad ist daraus eine der beiden großen Bevölkerungsgruppen geworden, mit eigener Küche, eigenen Festen und eigenen Religionsgemeinschaften. Die Geschichte dahinter steht unter Sklaverei und Emanzipation.
Die Windward Islands sind zugleich die Gruppe, in der indigene Gemeinschaften überdauert haben. Die Kalinago hielten sich auf den steilen, goldlosen Vulkaninseln am längsten; 1660 erkannten England und Frankreich Dominica und St. Vincent vertraglich als Kalinago-Gebiet an — ein Abkommen, das sie später brachen. Auf Dominica lebt an der Ostküste bis heute die Gemeinde des Kalinago Territory mit gewähltem Chief und Rat. Mehr dazu steht unter indigene Völker und die Eroberung.
Sprachlich ist die Gruppe geteilt. Auf Martinique gilt Französisch, auf den übrigen Inseln Englisch. Daneben wird überall eine Kreolsprache gesprochen: auf Dominica, Martinique und St. Lucia das französischbasierte Kwéyòl, auf St. Vincent, Grenada und Barbados englischbasierte Kreolsprachen. Dass St. Lucia und Dominica englische Amtssprache und französisches Kreol verbinden, ist kein Widerspruch, sondern das Ergebnis vielfachen Besitzerwechsels: St. Lucia wechselte zwischen Frankreich und Großbritannien mehr als ein Dutzend Mal. Mehr dazu auf der Seite über die Sprachen der Antillen.
Staatsrechtlich ist die Gruppe heute gemischt: St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen sowie Grenada haben König Charles III. als Staatsoberhaupt — nicht als britischen König, sondern jeweils als König des einzelnen Staates. Dominica, Barbados und Trinidad und Tobago sind Republiken; Martinique ist Teil Frankreichs. Wie es nach der Unabhängigkeit weiterging, steht unter Unabhängigkeit und Gegenwart.
Welche Insel passt zu welcher Reise?¶
- St. Lucia — das klassische Pauschalreiseziel der Gruppe, mit Bergkulisse statt flacher Küste.
- Martinique — Frankreich in der Karibik: Euro, Mietwagen, Märkte, Rum.
- Dominica — Wandern, Flüsse und Tauchen; kein Ziel für Strandtage.
- St. Vincent und die Grenadinen — Segeln von Ankerplatz zu Ankerplatz; die Hauptinsel bleibt ruhig.
- Grenada — Gewürze, Buchten und eine lebendige Hauptstadt; gut mit Carriacou zu verbinden.
- Barbados — beste Flugverbindungen, Rum, Kreuzfahrtstart; flach und stark erschlossen.
- Trinidad und Tobago — Karneval, Steelpan und Vogelbeobachtung; Tobago trägt den Badeteil.
Die Inseln liegen nah beieinander, weshalb sich mehrere in zwei Wochen verbinden lassen — dazu die Seite über Inselhopping in den Kleinen Antillen. Zeitlich gilt für alle dasselbe: Dezember bis April ist die Trockenzeit, und die Hurrikansaison gehört zwischen Juni und November in jede Planung — wobei die südlichsten Inseln der Gruppe seltener getroffen werden als der Norden. Wer noch unentschieden ist, vergleicht unter welche Karibikinsel zu mir passt.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Smithsonian Global Volcanism Program: Höhen, Ausbruchsgeschichte und Einordnung von La Soufrière, Montagne Pelée und Kick ’em Jenny
- UNESCO-Welterbeliste: Pitons Management Area (St. Lucia, 2004), Morne Trois Pitons National Park (Dominica, 1997), Vulkane und Wälder der Montagne Pelée (Martinique, 2023)
- NOAA National Hurricane Center: Klimatologie der atlantischen Hurrikansaison
- Slave Voyages: Datenbank des transatlantischen Sklavenhandels mit Routen und Zahlen
- Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise zu allen Zielen der Gruppe, tagesaktuell
Quizfrage
Eine der Windward Islands gehört zur Europäischen Union. Welche?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.