
St. Vincent und die Grenadinen sind zwei Reisen unter einer Flagge: die vulkanische Hauptinsel St. Vincent mit dem aktiven La Soufrière, schwarzen Stränden und Regenwald — und südlich davon die Grenadinen, eine Kette kleiner Inseln, Sandbänke und Riffe, die zu den bekanntesten Segelrevieren der Karibik gehört.
| Status | unabhängig (1979) |
|---|---|
| Sprache | Englisch |
| Währung | Ostkaribischer Dollar |
| Beste Reisezeit | Dezember bis April (Trockenzeit) |
| Hurrikansaison | 1. Juni bis 30. November, Höhepunkt August bis Oktober |
| Zeitzone | UTC−4 |
| Flugzeit ab Frankfurt | rund zehn Stunden in die Region |
Was geschah 2021 am La Soufrière?¶
Der La Soufrière im Norden von St. Vincent ist ein aktiver Vulkan, und 2021 hat er das deutlich gemacht: Ende 2020 begann im Gipfelkrater ein Lavadom zu wachsen, im April 2021 folgte eine explosive Phase. Asche fiel über die ganze Insel, der Norden wurde geräumt, Wasser- und Stromversorgung brachen zeitweise zusammen. Das war kein einmaliges Ereignis — der Smithsonian Global Volcanism Program verzeichnet für diesen Berg mehrere Ausbrüche in den letzten Jahrhunderten, darunter den von 1902, bei dem mehr als tausend Menschen starben, und einen im Jahr der Unabhängigkeit 1979.
Bestiegen wird der Vulkan in ruhigen Zeiten von beiden Seiten aus; die Wege führen durch Bananenfelder und Regenwald bis an den Kraterrand. Ob das gerade möglich ist, hängt am aktuellen Warnstatus, den das Seismic Research Centre der University of the West Indies veröffentlicht. Für den Rest der Insel gilt: dunkle Strände, steile Küsten, Wasserfälle — und deutlich weniger Badebetrieb als auf den übrigen Windward Islands.
Was macht die Grenadinen zum Segelrevier?¶
Zwischen St. Vincent und Grenada liegen rund dreißig Inseln und Cays, die meisten unbewohnt. Die Distanzen sind kurz, der Passat weht verlässlich, und die vorgelagerten Riffe schaffen geschützte Ankerplätze — Bequia, Mustique, Canouan, Mayreau und Union Island lassen sich in wenigen Tagen aneinanderreihen. Herzstück ist der Tobago Cays Marine Park, eine Gruppe unbewohnter Inseln hinter einem Hufeisenriff, in dessen Seegraswiesen Grüne Meeresschildkröten weiden; die IUCN Red List führt die Art als stark gefährdet, Abstand halten ist dort Regel.
Eine Besonderheit der Karte: Die südlichen Grenadinen — Carriacou und Petite Martinique — gehören nicht hierher, sondern zu Grenada. Die Inselkette ist geografisch eine, politisch zwei.
Warum hielten sich die Kalinago hier am längsten?¶
St. Vincent, in der Sprache seiner indigenen Bewohner Hairouna, war das letzte Rückzugsgebiet der Kalinago in den Kleinen Antillen. Steilküsten, Berge und fehlendes Gold machten die Insel für Kolonisatoren unattraktiv; 1660 erkannten England und Frankreich sie vertraglich als Kalinago-Gebiet an. Aus dem Zusammenleben von Kalinago und entflohenen versklavten Afrikanern entstand die Gemeinschaft der Garifuna. Erst zwei Kriege, 1769 bis 1773 und 1795 bis 1797, brachen den Widerstand; 1797 deportierten die Briten mehrere Tausend Garifuna nach Roatán vor Honduras — von ihnen stammen die Garifuna-Gemeinden Mittelamerikas ab, und auch auf St. Vincent leben heute Nachfahren.
Aus derselben Zeit stammt der Botanische Garten von Kingstown, 1765 angelegt und einer der ältesten der westlichen Hemisphäre. Hierher brachte William Bligh 1793 die Brotfrucht aus dem Pazifik — gedacht als billiges Grundnahrungsmittel für die Plantagen. Wie diese Geschichte begann, steht auf der Seite über indigene Völker und die Eroberung der Antillen.
Welche Reiseformen passen hierher?¶
Die naheliegendste ist der Segeltörn: als Yachtcharter mit eigener Crew oder als Kojencharter, meist von St. Vincent oder aus Grenada heraus. Wer lieber an Land bleibt, kommt über Fähren und kurze Inlandsflüge zwischen den bewohnten Grenadinen voran — Inselhopping ist hier keine Zusatzoption, sondern die übliche Art zu reisen. Klassische Pauschalreisen gibt es vor allem für die größeren Grenadinen; die Hauptinsel ist eher ein Ziel für Wanderer. Kleinere Schiffe laufen die Inselgruppe auf südlichen Routen an, was eine Karibik-Kreuzfahrt zu einem realistischen Zugang macht. Wo die Inselgruppe im Bogen steht, zeigt die Übersicht der Kleinen Antillen.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Smithsonian Institution — Global Volcanism Program: Soufrière St. Vincent, Ausbruchsgeschichte
- IUCN Red List of Threatened Species: Grüne Meeresschildkröte
- Auswärtiges Amt — Länderinformationen: Einreise und Sicherheit, tagesaktuell
Quizfrage
Die Garifuna-Gemeinden an den Küsten Mittelamerikas stammen von Menschen ab, die 1797 von einer Karibikinsel deportiert wurden. Von welcher?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.