
St. Martin ist eine Insel mit zwei Rechtsordnungen. Der Norden gehört als Collectivité de Saint-Martin zu Frankreich und zur EU, der Süden ist als Sint Maarten ein eigenständiges Land im Königreich der Niederlande. Geteilt wird die Insel seit 1648. Grenzkontrollen gibt es nicht — Währung, Amtssprache, Behörden und Steuerrecht wechseln trotzdem mitten auf der Straße.
| Status | geteilt: französische Gebietskörperschaft / autonomes Land im Königreich der Niederlande |
|---|---|
| Sprache | Französisch bzw. Niederländisch; Umgangssprache meist Englisch |
| Währung | Euro (Norden) / Karibischer Gulden (Süden) |
| Fläche | rund 87 km²: 53 km² französisch, 34 km² niederländisch |
| Zeitzone | UTC−4 |
| Beste Reisezeit | Dezember bis April (Trockenzeit); Hurrikansaison 1. Juni bis 30. November |
Wie kam es zur Teilung der Insel?¶
Am 23. März 1648 einigten sich die französische Krone und die Niederlande im Vertrag von Concordia darauf, die Insel zu teilen, statt weiter um sie zu kämpfen — unterzeichnet von den beiden Gouverneuren auf dem Hügel Mount Concordia. Die Anekdote, ein Franzose und ein Niederländer seien in entgegengesetzte Richtungen um die Insel gelaufen und die Grenze markiere ihren Treffpunkt, ist eine Legende ohne Beleg. Die Grenze verschob sich später mehrfach, die Teilung selbst hielt: Frankreich behielt den größeren Norden, die Niederlande den Süden. St. Martin gilt damit als kleinste Insel der Welt, die sich dauerhaft zwei Staaten teilen.
Was ändert sich beim Grenzübertritt?¶
Formal viel, praktisch wenig sichtbar. Es gibt keine Schlagbäume, nur Schilder und einen Wechsel des Mobilfunknetzes. Der französische Norden ist Gebiet in äußerster Randlage der EU: Euro, französische Verwaltung, EU-Recht. Der niederländische Süden liegt außerhalb der EU, hat eigene Regierung, eigene Gesetze und mit dem Karibischen Gulden eine eigene Währung — im Tourismusgeschäft wird dort überwiegend in US-Dollar gerechnet. Unterschiedlich sind auch Zoll- und Steuerregeln, Notrufnummern und Zuständigkeiten.
Wie unterschiedlich sind die beiden Seiten wirklich?¶
Deutlich genug, dass viele Gäste beide ansehen. Im Süden liegt Philipsburg mit einem der großen Kreuzfahrthäfen der Karibik, dazu Einkaufsstraßen, Casinos und Nachtleben — und der Flughafen Princess Juliana, dessen Anflug direkt über den Strand von Maho führt. Der französische Norden ist ruhiger und gastronomisch geprägt: Marigot mit seinem Markt, das Restaurantdorf Grand Case, viele kleine Buchten. Weil der Flughafen im Süden liegt, ist die Insel zugleich Drehkreuz für die Nachbarn — von hier geht es nach St. Barthélemy, Anguilla, Saba und Sint Eustatius, alle Teil der Leeward Islands.
Was hat die Grenze mit der Sklaverei zu tun?¶
Mehr, als ein Ferienort vermuten lässt. Die Insel lebte von Salzgewinnung, Zuckerrohr und Baumwolle, und die Arbeit taten versklavte Menschen. Frankreich schaffte die Sklaverei 1848 ab, die Niederlande in ihren karibischen Kolonien erst 1863. In diesen fünfzehn Jahren verlief mitten über die Insel eine Grenze zwischen Unfreiheit und Freiheit: Wer aus dem Süden den Norden erreichte, galt als frei. Schon einen Tag nach der französischen Abschaffung floh die gesamte versklavte Belegschaft einer Plantage hinüber; der niederländische Kommandeur forderte die Menschen zurück und bekam sie nicht. Der erhaltene Schriftwechsel steht seit 2017 als Route to Freedom im UNESCO-Register „Memory of the World“ für Lateinamerika und die Karibik. Wie diese Ordnung entstand, steht unter Kolonialzeit und Zuckerrohr.
Wie stark trifft die Hurrikansaison die Insel?¶
St. Martin liegt mitten im Zugbereich atlantischer Wirbelstürme. Am 6. September 2017 traf Hurrikan Irma sie als Sturm der höchsten Kategorie und richtete auf beiden Seiten schwere Zerstörungen an; der Wiederaufbau zog sich über Jahre. Die Saison läuft vom 1. Juni bis zum 30. November, ihr Höhepunkt liegt zwischen August und Oktober — die Klimatologie dazu führt das NOAA National Hurricane Center. Für die Reiseplanung heißt das: Die verlässliche Zeit ist der Winter, und wer in der Saison bucht, sollte die Frage der Reiserücktrittsversicherung nicht überspringen.
Wie reist man an und weiter?¶
Direktflüge ab Deutschland sind die Ausnahme; üblich ist Umsteigen in Europa oder Nordamerika. Weil die Insel ein Kreuzfahrthafen ersten Ranges ist, sehen viele Reisende sie zuerst als Tagesstopp — Routen erklärt die Karibik vom Schiff aus, buchbare Fahrten liegen bei den Karibik-Kreuzfahrten auf reise.de. Weiter südlich im Bogen liegt das französische Guadeloupe; die Einordnung der Inselgruppe steht unter Kleine Antillen.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- UNESCO Memory of the World — Route to Freedom (Sint Maarten / Saint-Martin)
- NOAA National Hurricane Center — Klimatologie der Hurrikansaison
- Auswärtiges Amt — Reise- und Sicherheitshinweise
Quizfrage
Frankreich schaffte die Sklaverei 1848 ab, die Niederlande in ihren karibischen Kolonien erst 1863. Was bedeutete das für die geteilte Insel St. Martin?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.