
St. Kitts und Nevis ist der flächenmäßig kleinste souveräne Staat Amerikas — zwei vulkanische Inseln der Leeward Islands, getrennt durch eine schmale Meerenge. St. Kitts ist die größere und geschäftigere, Nevis die stillere. Beide verbindet eine Zuckergeschichte, von der bis heute Festungen, Mühlentürme und eine Eisenbahn übrig sind.
| Status | unabhängig seit 1983, Föderation aus zwei Inseln |
|---|---|
| Sprache | Englisch |
| Währung | Ostkaribischer Dollar |
| Zeitzone | UTC−4, ganzjährig |
| Beste Reisezeit | Dezember bis April (Trockenzeit) |
| Fläche | rund 260 Quadratkilometer, beide Inseln zusammen |
| Verbindung der Inseln | Fähre Basseterre — Charlestown |
Warum gilt St. Kitts und Nevis als kleinster Staat Amerikas?¶
Die Föderation misst zusammen nur etwa 260 Quadratkilometer und ist damit nach Fläche und Einwohnerzahl der kleinste unabhängige Staat der westlichen Hemisphäre. Klein heißt hier nicht unbedeutend: St. Kitts — amtlich Saint Christopher — war die erste dauerhafte englische und die erste französische Kolonie der Karibik und wurde als „Mutterkolonie der Westindischen Inseln“ bezeichnet, weil von hier aus weitere Inseln in Besitz genommen wurden.
Die Kolonisierung begann mit Gewalt. Der Name der Insel in der Sprache der Kalinago lautet Liamuiga; ihre Gemeinschaft wurde 1626 bei einem gemeinsamen Überfall englischer und französischer Siedler an der Stelle, die heute Bloody Point heißt, weitgehend vernichtet. Danach teilten sich beide Mächte die Insel jahrzehntelang — ein Nebeneinander, das in Kriege mündete und Festungen hinterließ.
Was macht Brimstone Hill Fortress zum UNESCO-Welterbe?¶
Die Festung Brimstone Hill liegt auf einem steilen Vulkankegel über der Westküste und wurde vom späten 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert immer weiter ausgebaut. Ihre Größe und Lage trugen ihr den Beinamen „Gibraltar der Westindischen Inseln“ ein; 1782 nahmen französische Truppen sie nach längerer Belagerung ein, ein Jahr später fiel sie an Großbritannien zurück. Die UNESCO nahm die Anlage 1999 als Brimstone Hill Fortress National Park in die Welterbeliste auf.
Erbaut wurde sie von versklavten Menschen: Sie schlugen die Steine, schleppten sie den Berg hinauf und errichteten die Mauern, die heute als Baudenkmal bewundert werden. Die UNESCO nennt diesen Umstand ausdrücklich, und er gehört zu jedem Besuch dazu. Den größeren Zusammenhang — Zuckerrohr, Sklavenhandel, Plantagenwirtschaft — entfaltet die Seite Kolonialzeit und Zuckerrohr.
Was ist von der Zuckerbahn geblieben?¶
St. Kitts lebte bis ins 21. Jahrhundert vom Zucker. Um das geschnittene Rohr aus den Feldern zur zentralen Fabrik bei Basseterre zu bringen, wurde in den 1910er und 1920er Jahren eine Schmalspurbahn rund um die Insel gebaut. 2005 stellte der staatliche Zuckerbetrieb die Produktion ein — das Ende einer Wirtschaft, die die Insel über drei Jahrhunderte bestimmt hatte. Die Gleise blieben liegen und tragen heute einen Ausflugszug, der die Küste umrundet und dabei an Mühlentürmen und aufgegebenen Feldern vorbeiführt.
Über St. Kitts erhebt sich der Mount Liamuiga, ein bewaldeter Vulkan mit Kraterkessel, auf den ein anspruchsvoller Tageswanderweg führt. Die Hauptstadt Basseterre am Südwestufer ist zugleich Kreuzfahrthafen — für viele Gäste ist die Insel ein Tagesziel.
Wie unterscheidet sich Nevis von St. Kitts?¶
Nevis ist ein fast kreisrunder Vulkankegel, dessen Gipfel meist eine Wolkenhaube trägt — daher der spanische Name „Nuestra Señora de las Nieves“, Unsere Liebe Frau vom Schnee. Die Insel ist kleiner, flacher besiedelt und ruhiger; das Städtchen Charlestown hat karibische Holzarchitektur bewahrt und ist der Geburtsort von Alexander Hamilton. Auf Nevis heiratete 1787 auch Horatio Nelson.
Mehrere alte Plantagenhäuser sind heute Gasthäuser, was Nevis den Ruf einer leisen, etwas altmodischen Insel eingetragen hat. Wer den Vergleich sucht: Antigua und Barbuda liegt in Sichtweite und ist touristisch deutlich weiter entwickelt, Montserrat in die andere Richtung sehr viel stiller. Für Reisende, die mehrere Inseln verbinden wollen, ist die Region vor allem per Kreuzfahrt oder als Inselhopping über die Kleinen Antillen erreichbar.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- UNESCO — Welterbeliste (Brimstone Hill Fortress National Park, eingetragen 1999)
- Encyclopaedia Britannica — Saint Kitts and Nevis
- Slave Voyages — Datenbank zum transatlantischen Sklavenhandel
- Smithsonian Global Volcanism Program — Daten zu Mount Liamuiga und Nevis Peak
- Auswärtiges Amt — Einreise- und Sicherheitshinweise
Quizfrage
Welches ist der flächenmäßig kleinste souveräne Staat Amerikas?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.