
St. Barthélemy ist französisch, klein und teuer. Auf gut zwanzig Quadratkilometern gelten der Euro, französisches Recht und französische Verwaltung — EU-Gebiet ist die Insel seit 2012 trotzdem nicht mehr. Sie lebt vom gehobenen Tourismus und vom Yachthafen ihrer Hauptstadt Gustavia. Ein klassisches Pauschalreiseziel ist sie nicht; angereist wird fast immer über Sint Maarten.
| Status | französische Gebietskörperschaft (Collectivité d’outre-mer); seit 2012 überseeisches Land und Gebiet der EU, kein EU-Territorium |
|---|---|
| Sprache | Französisch; im Tourismus verbreitet Englisch |
| Währung | Euro |
| Fläche | gut 20 km² |
| Zeitzone | UTC−4 |
| Beste Reisezeit | Dezember bis April (Trockenzeit); Hurrikansaison 1. Juni bis 30. November |
Welchen Status hat St. Barthélemy genau?¶
Einen ungewöhnlichen. Bis 2007 war die Insel Teil des Departements Guadeloupe, dann wurde sie eine eigene französische Gebietskörperschaft mit weitgehender Selbstverwaltung, vor allem in Steuer- und Zollfragen. Zum 1. Januar 2012 wechselte sie auf eigenen Wunsch den europäischen Status: vom Gebiet in äußerster Randlage zum „überseeischen Land und Gebiet“, das mit der EU assoziiert ist, aber nicht zu ihr gehört. Das EU-Recht gilt seither nur noch in Teilen. Der Euro blieb — über ein Währungsabkommen mit der EU. Für Reisende heißt das: französisch im Alltag, aber nicht automatisch EU-Inland. Ob der eigene Mobilfunktarif die Insel wie EU-Ausland abrechnet, klärt man besser vorher, und für die Einreise gelten die Hinweise des Auswärtigen Amts.
Warum heißt die Hauptstadt Gustavia?¶
Weil die Insel fast hundert Jahre schwedisch war. 1784 überließ Frankreich sie Schweden im Tausch gegen Handelsrechte im Hafen von Göteborg. Schweden machte den Hauptort zum Freihafen und benannte ihn nach König Gustav III. Das Geschäft war der Umschlag: Waren aller Flaggen, in Kriegszeiten besonders einträglich. 1877 stimmte die Bevölkerung über die Zukunft ab, 1878 verkaufte Schweden die Insel an Frankreich zurück. Geblieben sind der Stadtname, schwedische Straßennamen, einzelne Bauten und die drei Kronen im Wappen — die einzige skandinavische Spur in der Karibik, die noch im Ortsplan steht.
Welche Rolle spielte die Sklaverei hier?¶
Eine andere als auf den großen Zuckerinseln, aber keine kleine. Für Zuckerrohr im industriellen Maßstab war St. Barthélemy zu trocken, zu steil und zu klein; die Wirtschaft trugen Salz, Baumwolle, Fischerei und vor allem der Handel im Freihafen — auch der mit Menschen. Unter schwedischer Herrschaft lebten zeitweise mehrere Tausend versklavte Menschen auf der Insel. Die Abschaffung kam hier früher als im übrigen französischen Antillenraum: Am 9. Oktober 1847 verkündete der schwedische Gouverneur James Haasum die Freilassung; betroffen waren zu diesem Zeitpunkt 529 Menschen. Frankreich folgte erst 1848 — der Zusammenhang steht unter Kolonialzeit und Zuckerrohr. Der 9. Oktober wird auf der Insel bis heute begangen.
Warum gilt die Insel als so teuer?¶
Es ist keine Attitüde, sondern Arithmetik. Die Insel ist klein, hat wenig Fläche für Hotelbauten und praktisch keine eigene Landwirtschaft; Lebensmittel, Baumaterial und Treibstoff kommen per Schiff oder Flugzeug. Dazu kommt eine bewusste Ausrichtung auf wenige, zahlungskräftige Gäste statt auf Masse — große Ferienanlagen fehlen, Villen und kleine Häuser prägen das Angebot. Das Ergebnis ist ein Preisniveau deutlich über dem der Nachbarinseln, bei entsprechend geringer Zahl an Betten. Wer die französischen Antillen kennenlernen will, ohne das zu bezahlen, ist auf Martinique oder Guadeloupe besser aufgehoben. Wer herkommt, kommt wegen der Buchten, des Segelns und der Ruhe außerhalb der Hochsaison.
Wie kommt man hin?¶
Über die Nachbarinsel. Der Flughafen Gustaf III liegt an einem schmalen Sattel über der Bucht von Saint-Jean, die Piste ist kurz, der Anflug steil, und landen dürfen nur kleine Maschinen mit besonders geschulten Besatzungen. Der übliche Weg führt deshalb nach St. Martin / Sint Maarten und von dort mit einem Zubringerflug oder der Fähre weiter. Große Kreuzfahrtschiffe können nicht anlegen; sie ankern vor der Küste, Gäste kommen mit Tenderbooten an Land — Routen und Häfen ordnet die Karibik vom Schiff aus ein. Damit ist St. Barthélemy für die meisten Reisenden kein Hauptziel, sondern ein Abstecher innerhalb der Kleinen Antillen.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Universität Uppsala — Swedish Caribbean Colonialism (Forschungsprojekt zur schwedischen Kolonie St. Barthélemy)
- Fondation pour la mémoire de l’esclavage — Erinnerung an die Sklaverei auf St. Barthélemy
- Overseas Countries and Territories Association — Status von Saint-Barthélemy
- Auswärtiges Amt — Reise- und Sicherheitshinweise
Quizfrage
Warum heißt die Hauptstadt von St. Barthélemy Gustavia?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.