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Das karibische Paradies

Die Kleinen Antillen

Martinique

Türkise Bucht Martiniques vor den grünen Hängen des Mont Pelée.

Martinique ist französisches Überseedepartement und damit EU-Gebiet mitten in der Karibik: Euro, französische Verwaltung, französische Beschilderung, Präfektur in Fort-de-France. Landschaftlich zerfällt die Insel in einen steilen, grünen Norden um die Montagne Pelée und einen trockeneren Süden mit hellen Stränden. Das bekannteste Datum der Inselgeschichte ist der 8. Mai 1902.

Statusfranzösisches Überseedepartement, Gebiet in äußerster Randlage der EU
SpracheFranzösisch; im Alltag daneben martinikanisches Kreol
WährungEuro
Flächerund 1.100 km²
ZeitzoneUTC−4
Beste ReisezeitDezember bis April (Trockenzeit); Hurrikansaison 1. Juni bis 30. November
Anreiserund 10 Stunden reine Flugzeit ab Frankfurt, in der Regel mit Umstieg in Paris

Was geschah 1902 in Saint-Pierre?

Am Morgen des 8. Mai 1902 raste ein Glutwolkenstrom aus heißem Gas, Asche und Gestein die Flanke der Montagne Pelée hinab und erreichte Saint-Pierre in Minuten. Die Stadt, damals das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel, wurde zerstört, nahezu ihre gesamte Bevölkerung starb. Die Schätzungen der Todeszahl gehen auseinander und liegen zwischen etwa 28.000 und 30.000 — es ist der tödlichste Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts. Ein zweiter Strom tötete am 30. August weitere rund 1.500 Menschen. Die Fachwelt nennt diesen Ausbruchstyp seither „peléeanisch“; Hauptstadt wurde dauerhaft Fort-de-France. Saint-Pierre ist heute eine kleine Stadt zwischen Ruinen, mit Museum und den Hafenwracks als Tauchplätzen.

Ist die Montagne Pelée heute noch aktiv?

Ja. Der 1.397 Meter hohe Berg wird vom Observatoire volcanologique et sismologique de Martinique überwacht, das seit Dezember 2020 die Warnstufe Gelb führt: Die Erdbebentätigkeit hat zugenommen, seit 2026 wird zusätzlich eine leichte Aufwölbung des Gipfels gemessen. Ein kurzfristiger Ausbruch gilt als unwahrscheinlich — wer aufsteigen will, prüft die amtliche Lage vorher. Seit 2023 stehen der Vulkan und die Bergwälder des Nordens auf der UNESCO-Welterbeliste, gemeinsam mit dem älteren Massiv der Pitons du Carbet.

Warum ist der Rum von Martinique besonders?

Weil er anders gemacht wird. Üblicher Karibikrum entsteht aus Melasse, einem Nebenprodukt der Zuckerherstellung. Martinique brennt Rhum agricole direkt aus frisch gepresstem Zuckerrohrsaft — das gibt dem Destillat einen grasig-krautigen Ton. Seit 1996 ist „Rhum de la Martinique“ als Appellation d’Origine Contrôlée geschützt, als erstes Erzeugnis außerhalb des französischen Mutterlandes und bis heute als einziger Rum der Welt mit einer AOC; die Regeln bestimmen Anbauflächen, Erträge, Gärdauer und Lagerung. Mehrere Destillerien lassen sich besichtigen; mehr zum Getränk und seiner Geschichte steht unter Essen und Trinken in der Karibik.

Wie unterscheiden sich Norden und Süden?

Der Norden ist hoch, nass und grün: Regenwald an den Hängen der Pelée, Bananenfelder, dunkler Vulkansand in den Buchten; die Panoramastraße Route de la Trace führt mitten hindurch. Der Süden ist flacher und trockener, hier liegen die hellen Strände um Sainte-Anne und Le Diamant und die Badeorte um Trois-Îlets. Im Osten schiebt sich die windige Halbinsel Caravelle in den Atlantik. Für Wanderer ist der Norden der lohnendere Teil, für Badeurlaub der Süden — beides liegt keine zwei Autostunden auseinander.

Wie präsent ist die Sklaverei auf Martinique?

Sehr. Frankreich gründete 1635 seine erste Niederlassung, der Zuckerrohranbau brachte den Sklavenhandel, und der Code Noir von 1685 gab ihm den Rechtsrahmen — Hintergrund unter Kolonialzeit und Zuckerrohr. Die Abschaffung von 1794 erreichte Martinique nie, weil die Insel damals britisch besetzt war; 1802 stellte Napoleon die Sklaverei wieder her. Erst ein Aufstand erzwang 1848 die Freiheit: Am 22. Mai ließen die versklavten Menschen dem Gouverneur keine Wahl mehr, Wochen bevor das Pariser Dekret eintraf. Der 22. Mai ist seither Gedenktag. Am Anse Caffard bei Le Diamant erinnern seit 1998 fünfzehn Steinfiguren an ein 1830 gestrandetes Sklavenschiff. Und die Auseinandersetzung dauert an: 2020 stürzten Aktivisten in Fort-de-France die seit Jahrzehnten kopflose Statue der auf Martinique geborenen Kaiserin Joséphine, der eine Rolle bei der Wiedereinführung der Sklaverei zugeschrieben wird. Dass die Insel 1946 Departement wurde, geht wesentlich auf den Dichter und Abgeordneten Aimé Césaire zurück.

Wie plant man die Reise?

Martinique passt zur Pauschalreise mit Mietwagen, zur Rundreise über die Windward Islands und als Stopp einer Karibik-Kreuzfahrt. Das Schwesterdepartement Guadeloupe liegt nördlich und lässt sich anhängen; die Einordnung in den Inselbogen steht unter Kleine Antillen. Ein Kapitel, das auf keiner Reise sichtbar wird, aber die Landwirtschaft der Insel bis heute prägt, steht unter Chlordécone.

Quellen und weiterführende Informationen

Quizfrage

Was unterscheidet den Rhum agricole von Martinique vom üblichen Karibikrum?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.

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