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Das karibische Paradies

Die Kleinen Antillen

Leeward Antilles

Ockerfarbenes Landhaus mit Ziegeldach hinter einem Zaun aus lebenden Säulenkakteen, davor Ziegen im Staub.
Zäune aus lebenden Kakteen sind auf den trockenen ABC-Inseln bis heute üblich.

Die Leeward Antilles sind der südlichste Teil der Kleinen Antillen: eine Kette vor der Küste Venezuelas, deren bekanntester Abschnitt die ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao sind. Auf Deutsch heißen sie Inseln unter dem Winde — sie sind trocken, flach und liegen meist außerhalb der Hurrikanzugbahnen.

Lagezwischen rund 30 und 90 Kilometern vor der Küste Venezuelas
Deutscher Name„Inseln unter dem Winde“ — nicht zu verwechseln mit den englischen Leeward Islands im Norden
InselnAruba, Bonaire, Curaçao; dazu die venezolanischen Inseln, darunter Isla de Margarita, Los Roques und Isla de Aves
Status der ABC-InselnAruba und Curaçao: eigenständige Länder im Königreich der Niederlande; Bonaire: niederländische Sondergemeinde
SprachenNiederländisch und Papiamento/Papiamentu, dazu Englisch und Spanisch; auf den venezolanischen Inseln Spanisch
WährungenAruba-Florin, Karibischer Gulden (Curaçao), US-Dollar (Bonaire)
Höchster PunktChristoffelberg auf Curaçao, gut 370 Meter
Klimahalbtrocken, Kakteenlandschaft, ganzjährig Passat
Beste Reisezeitganzjährig möglich; am trockensten zwischen Februar und Juni
Flugzeit ab Frankfurtrund zehn Stunden

Welche Inseln gehören zu den Leeward Antilles?

Die Gruppe zerfällt in zwei sehr ungleiche Hälften. Im Westen liegen die drei niederländisch geprägten ABC-Inseln:

  • Aruba — die westlichste und trockenste, rund 180 Quadratkilometer, touristisch am weitesten entwickelt.
  • Bonaire — rund 290 Quadratkilometer, Salzgärten, Flamingos und eines der besten Tauchreviere der Karibik.
  • Curaçao — mit rund 440 Quadratkilometern die größte der drei; die Altstadt der Hauptstadt Willemstad steht seit 1997 auf der UNESCO-Welterbeliste.

Östlich davon setzt sich die Kette auf venezolanischem Staatsgebiet fort: die Isla de Margarita mit den Nachbarinseln Coche und Cubagua, der Archipel Los Roques, La Orchila, La Blanquilla, die Islas Los Testigos und die winzige Isla de Aves. Sie gehören geografisch eindeutig zur Gruppe, spielen als Reiseziel aus dem deutschsprachigen Raum heute aber keine Rolle — warum, steht weiter unten.

Warum heißen sie auf Deutsch Inseln unter dem Winde?

Weil der Nordost-Passat hier kaum noch ankommt. Über dem östlichen Bogen der Kleinen Antillen weht er beständig und bringt Regen; bis zu den Leeward Antilles, achthundert bis tausend Kilometer weiter südwestlich, ist die Luft ausgeregnet und die Inseln liegen im Windschatten — unter dem Wind. Der spanische Name Islas de Sotavento und der niederländische Benedenwindse Eilanden sagen dasselbe.

Und hier liegt die Falle, in die deutschsprachige Karibikliteratur seit Jahrzehnten tappt: Englisch Leeward und deutsch „unter dem Winde“ heißen zwar dasselbe, meinen aber verschiedene Inseln. Die englischen Leeward Islands liegen ganz im Norden und zählen zusammen mit den Windward Islands zu den Inseln über dem Winde. Nur die Leeward Antilles — diese Seite — sind die Inseln unter dem Winde. Wer beides verwechselt, verlegt Aruba um tausend Kilometer.

Warum ist es hier so trocken?

Aus zwei Gründen, die zusammenwirken. Erstens ist die Passatluft auf dem Weg über den Inselbogen bereits abgeregnet. Zweitens fehlt den Inseln die Höhe: Sie sind keine jungen Vulkankegel wie St. Vincent oder Montserrat, sondern alte, längst erloschene Gesteine am Rand der Südamerikanischen Platte. Kein Berg der drei erreicht 400 Meter, und ohne Berg gibt es keinen Steigungsregen.

Das Ergebnis ist eine Landschaft, die mit dem Karibikbild wenig zu tun hat: Kakteen, Dornbusch, Agaven und der vom Passat schief gewehte Divi-Divi-Baum, der auf Aruba fast immer nach Südwesten zeigt. Salz war jahrhundertelang das wichtigste Produkt — die Salzgärten von Bonaire arbeiten bis heute, und die rosa Flächen am Südende der Insel sind Teil dieser Wirtschaft. Zuckerrohr hat hier nie funktioniert: Die Inseln waren für die niederländische Kolonialwirtschaft Handels-, Salz- und Umschlagplätze, nicht Plantagenkolonien wie der Rest der Region. Curaçao war im 17. und 18. Jahrhundert allerdings einer der großen Umschlagplätze des Sklavenhandels — von hier aus wurden verschleppte Menschen auf das südamerikanische Festland und in die Karibik weiterverkauft.

Von derselben Trockenheit lebt der bekannteste Ausfuhrartikel der Gruppe. Der Likör Curaçao wird aus den getrockneten Schalen der Laraha angesetzt, einer Bitterorange: Die Spanier brachten Orangenbäume auf die Insel, die im kargen Boden verwilderten und eine ungenießbar bittere Frucht hervorbrachten — deren Schale aber intensiv duftet. Die Farben blau, grün, orange und rot sind später hinzugefügt; der Likör selbst ist klar.

Wie sicher sind die ABC-Inseln vor Hurrikanen?

Sicherer als jede andere Inselgruppe der Karibik, aber nicht vollständig sicher. Die Hurrikansaison läuft auch hier vom 1. Juni bis 30. November; die üblichen Zugbahnen verlaufen jedoch deutlich weiter nördlich, weil tropische Wirbelstürme nahe dem Äquator kaum die nötige Drehung aufbauen. Getroffen wurden die ABC-Inseln in der Vergangenheit selten — aber nicht nie, und Randwirkungen wie schwerer Regen oder hohe Dünung erreichen sie häufiger als direkte Stürme.

Praktisch heißt das: Die drei Inseln sind das plausibelste Karibikziel für den Spätsommer, wenn im Norden Hochsaison der Stürme ist. Die Einordnung mit Zahlen und Zugbahnen steht auf der Seite zur Hurrikansaison in der Karibik; wie sich das auf die beste Reisezeit auswirkt, dort.

Was ist Papiamentu?

Die gemeinsame Alltagssprache der drei Inseln — und keine Mundart des Niederländischen, sondern eine eigenständige Kreolsprache mit iberischem Kern. In ihr stecken Portugiesisch und Spanisch, dazu Niederländisch, westafrikanische Sprachen und Reste des Arawak. Sie entstand im 17. Jahrhundert im Umfeld des Handelshafens Curaçao und ist heute auf allen drei Inseln Amtssprache neben dem Niederländischen.

Die Schreibweise verrät, auf welcher Insel man ist: Auf Curaçao und Bonaire heißt sie Papiamentu mit „u“ und wird lautnah geschrieben, auf Aruba Papiamento mit „o“ und näher an der spanischen Orthografie. Im Tourismus kommt man mit Englisch überall durch; Spanisch hilft wegen der Nähe zum Festland. Mehr über die Sprachlandschaft der Region steht auf der Seite über die Sprachen der Antillen.

Warum gibt es zu den venezolanischen Inseln keine eigene Seite?

Weil man dorthin derzeit nicht raten kann. Die Isla de Margarita war in den 1990er- und 2000er-Jahren ein gängiges deutsches Charterziel und ist mit rund 490.000 Einwohnern (Zensus 2011, Venezuelas letzte abgeschlossene Zählung) die mit Abstand bevölkerungsreichste Insel der Gruppe. Hauptstadt ist La Asunción, der größte Ort aber Porlamar. Für Venezuela besteht jedoch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts; eine Reiseseite, die Vorfreude weckt, wäre an dieser Stelle unehrlich.

Dasselbe gilt für Los Roques, einen Atoll-Archipel mit Nationalparkstatus, der landschaftlich zum Eindrucksvollsten der südlichen Karibik gehört, und für die kleineren Dependenzen. Wer die aktuelle Lage prüfen will, tut das bei der amtlichen Stelle — verbindlich ist immer die tagesaktuelle Auskunft des Auswärtigen Amts, nicht ein Reiseführer.

Welche der drei Inseln passt zu welcher Reise?

  • Aruba — lange helle Strände, dichte Hotellerie, gute Flugverbindungen; die komfortabelste und am wenigsten ursprüngliche der drei.
  • Bonaire — Tauchen und Schnorcheln vom Ufer aus, Flamingos, wenig Nachtleben; die stillste der drei.
  • Curaçao — die einzige mit einer richtigen Stadt: Willemstad mit Welterbe-Altstadt, dazu Buchten zwischen Kalkfelsen und ufernahe Riffe.

Die drei liegen so dicht beieinander, dass sich zwei von ihnen in einer Reise verbinden lassen; die Flüge zwischen ihnen dauern unter einer halben Stunde. Dazu passt die Seite über Inselhopping in den Kleinen Antillen. Wer noch unentschieden ist, vergleicht unter welche Karibikinsel zu mir passt. Und wer den Bogen nach Norden weiterlesen will, findet die Fortsetzung bei den Windward Islands.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise für die Niederlande, die karibischen Landesteile und Venezuela, tagesaktuell
  • UNESCO-Welterbeliste: Historic Area of Willemstad, Inner City and Harbour, Curaçao — eingeschrieben 1997
  • NOAA National Hurricane Center: Klimatologie der atlantischen Hurrikansaison und die Lage der üblichen Zugbahnen
  • Slave Voyages: Datenbank des transatlantischen Sklavenhandels — Curaçao als Umschlagplatz
  • Encyclopaedia Britannica: Einträge zu Leeward Antilles, Aruba, Bonaire und Curaçao

Quizfrage

Der Likör Curaçao wird aus den getrockneten Schalen einer Frucht angesetzt. Aus welcher?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.

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