
Anguilla ist ein britisches Überseegebiet im Norden der Leeward Islands und die flachste Insel der Gruppe: ein langgestrecktes, trockenes Kalksteinriff ohne Berge, ohne Flüsse und ohne Regenwald. Wofür die Insel steht, sind Strände, Ruhe und ein gehobenes Preisniveau — Massentourismus und große Kreuzfahrtschiffe gibt es hier nicht.
| Status | britisches Überseegebiet |
|---|---|
| Sprache | Englisch |
| Währung | Ostkaribischer Dollar |
| Zeitzone | UTC−4, ganzjährig |
| Beste Reisezeit | Dezember bis April (Trockenzeit) |
| Hauptort | The Valley |
| Anreise | über Sint Maarten / St. Martin, per Fähre oder Regionalflug |
Warum ist Anguilla so flach und trocken?¶
Anders als die vulkanischen Nachbarinseln des Bogens besteht Anguilla aus gehobenem Korallenkalk. Die höchste Erhebung, Crocus Hill, bleibt unter siebzig Metern. Ohne Berge gibt es keine Steigungsregen und damit deutlich weniger Niederschlag als etwa auf Montserrat oder auf St. Kitts und Nevis. Die Vegetation ist entsprechend niedrig: Trockenbusch, Kakteen, Seegrauben.
Genau diese Geologie erklärt die Strände. Wo der Untergrund Kalk und Koralle ist und kein Fluss dunkles Vulkanmaterial an die Küste trägt, entsteht heller, feiner Sand — Buchten wie Shoal Bay, Rendezvous Bay oder Meads Bay verdanken ihm ihren Ruf. Wie dieser Unterschied zwischen hellen und dunklen Stränden im gesamten Bogen zustande kommt, erklärt die Übersicht zu den Kleinen Antillen.
Warum ist Anguilla britisch geblieben?¶
Der indigene Name der Insel ist überliefert als Malliouhana; die heutige Bezeichnung geht auf das Wort für „Aal“ zurück und meint die langgestreckte Form. Englische Siedler kamen im 17. Jahrhundert und versuchten es mit Plantagenwirtschaft — doch für Zuckerrohr war die Insel zu trocken und der Boden zu dünn. Versklavte Menschen wurden trotzdem hierher verschleppt; nach dem Ende der Sklaverei lebten ihre Nachfahren vom Salz aus den Küstenteichen, vom Bootsbau, von der Seefahrt und von der Arbeitsmigration, unter anderem zu den Ölraffinerien auf Aruba und Curaçao.
Die politische Besonderheit stammt aus dem 20. Jahrhundert. 1967 lehnte sich Anguilla gegen die gemeinsame Verwaltung mit St. Kitts und Nevis auf — nicht, um unabhängig zu werden, sondern um britisch zu bleiben. 1969 landeten britische Truppen auf der Insel, ohne auf Widerstand zu treffen. 1980 wurde die Trennung von St. Kitts und Nevis formell vollzogen; seither ist Anguilla ein eigenes britisches Überseegebiet. Der 30. Mai wird als Anguilla Day begangen.
Warum gilt Anguilla als teure Insel?¶
Dafür gibt es nüchterne Gründe. Die Insel hat keinen eigenen nennenswerten Agrarsektor, fast alles wird eingeführt, und der Tourismus setzt seit Jahrzehnten auf wenige, kleine und gehobene Häuser statt auf große Anlagen. Pauschalreiseangebote aus Deutschland sind dementsprechend selten; wer herkommt, reist individuell an. Anguilla ist damit das Gegenstück zu einer Insel wie Antigua, die Pauschalreisende ebenso bedient wie Tagesgäste vom Schiff.
Auch der Hurrikan ist Teil der Rechnung: Im September 2017 traf Irma die Insel schwer und beschädigte Gebäude und Infrastruktur auf breiter Front. Die Hurrikansaison läuft vom 1. Juni bis zum 30. November, ihr Höhepunkt liegt zwischen August und Oktober — Anguilla liegt im Norden des Bogens und damit nicht in der geschützten Zone.
Was prägt den Alltag auf Anguilla?¶
Der Nationalsport ist Bootsrennen. Gesegelt wird mit offenen Holzbooten nach lokaler Bauart, und die Rennen sind keine Touristenveranstaltung, sondern das wichtigste gemeinschaftliche Ereignis der Insel; ihren Höhepunkt haben sie im Sommer rund um das Karnevalsfest. Dazu kommt eine lebendige Musikszene — Anguilla hat für seine Größe auffallend viele Musiker hervorgebracht.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Encyclopaedia Britannica — Anguilla
- Slave Voyages — Datenbank zum transatlantischen Sklavenhandel
- NOAA National Hurricane Center — Klimatologie der Hurrikansaison
- Auswärtiges Amt — Einreise- und Sicherheitshinweise
Quizfrage
Wogegen erhob sich Anguilla 1967?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.