
Die Antillen sind keine zufällige Streuung von Inseln. Sie liegen auf einer Plattengrenze, und daraus folgt beinahe alles: warum eine Insel 1.447 Meter hoch ist und die nächste 65, warum der Bogen ein Bogen ist, wo die Hurrikane entlangziehen. Vier Karten, selbst gezeichnet aus offenen Geodaten, ohne fremden Kartendienst.
Jede Karte hat zwei Felder: links die Übersicht, rechts einen Zoomstreifen der Kleinen Antillen im 2,3-fachen Maßstab. Ohne ihn wären Saba, St. Barthélemy und Montserrat Punkte. Unter jeder Karte steht dieselbe Information noch einmal als Tabelle — wer die Farben nicht unterscheiden kann, verliert nichts.
Diese Seite zeigt den Untergrund: Gestein, Wasser, Wetter, Entfernung. Wer wissen will, wer auf diesen Inseln lebt — in welcher Sprache, mit welcher Wirtschaftskraft, in welcher Dichte —, findet das auf der Schwesterseite Die Menschen der Antillen: vier weitere Karten zu Sprachen, Wirtschaftsleistung und Bevölkerung, dazu ein Kartogramm, das die Inseln nach Einwohnern statt nach Fläche zeichnet.
Warum ist eine Insel hoch und die nächste flach?¶
Weil die Kleinen Antillen aus zwei Inselbögen bestehen, die unterschiedlich alt sind. Der innere trägt junge Vulkane und steigt auf über 1.400 Meter. Der äußere ist längst erloschen, von Kalkstein überdeckt und bleibt flach. Zwischen Morne Diablotins auf Dominica (1.447 Meter) und Crocus Hill auf Anguilla (65 Meter) liegen nur 350 Kilometer.
Nördlich von Dominica laufen die beiden Bögen auseinander, südlich davon fallen sie zusammen — das ist der Grund, warum die Höhen im Norden so unregelmäßig springen und im Süden gleichmäßig hoch bleiben. Saba steigt auf 870 Meter, das 120 Kilometer entfernte Anguilla auf 65. Guadeloupe hat beides in einer Insel: Basse-Terre im Westen ist Vulkan, Grande-Terre im Osten ist flacher Kalkstein. Wer auf der Karte die Brücke zwischen beiden Hälften sucht, sieht den Doppelbogen im Kleinen.
Für eine Reise hat das handfeste Folgen. Die Vulkaninseln bieten Regenwald, Wanderwege, heiße Quellen und dunklen Sand; die Kalksteininseln flaches Land, Korallenriffe, helle Strände und mehr Sonnenstunden, weil ihnen die Berge fehlen, an denen sich Wolken stauen. Beides ist Karibik — nur eben nicht dieselbe.
Das zweite, was diese Karte zeigt, ist das Wasser. Der Puerto-Rico-Graben verläuft keine 150 Kilometer nördlich der Küste von Puerto Rico. Der US-amerikanische Geologische Dienst nennt ihn die tiefste Stelle des Atlantiks und gibt Wassertiefen von über 8.300 Metern an. Auf der Karte ist das die dunkelste Fläche — ein schmaler Streifen direkt neben Stränden, die im Reiseprospekt stehen.
| Insel | Lage | Höchster Punkt | Höhe |
|---|---|---|---|
| Kuba | Große Antillen | Pico Turquino | 1.974 m |
| Jamaika | Große Antillen | Blue Mountain Peak | 2.256 m |
| Haiti | Große Antillen | Pic la Selle | 2.680 m |
| Dominikanische Republik | Große Antillen | Pico Duarte | 3.101 m |
| Puerto Rico | Große Antillen | Cerro de Punta | 1.338 m |
| Kaimaninseln | Große Antillen | Bluff Mountain | 43 m |
| Anguilla | äußerer Bogen | Crocus Hill | 65 m |
| Saint-Martin (franz.) | äußerer Bogen | Pic Paradis | 420 m |
| Sint Maarten (niederl.) | äußerer Bogen | nicht belegt | – |
| Saint-Barthélemy | äußerer Bogen | Morne du Vilet | 281 m |
| Saba | innerer Vulkanbogen | Mount Scenery | 870 m |
| Sint Eustatius | innerer Vulkanbogen | The Quill | 601 m |
| St. Kitts und Nevis | innerer Vulkanbogen | Mount Misery | 1.156 m |
| Barbuda | äußerer Bogen | nicht belegt | – |
| Antigua | äußerer Bogen | Mount Obama | 402 m |
| Montserrat | innerer Vulkanbogen | Soufrière Hills | 914 m |
| Guadeloupe | äußerer und innerer Bogen | Soufrière | 1.467 m |
| Dominica | innerer Vulkanbogen | Morne Diablotins | 1.447 m |
| Martinique | innerer Vulkanbogen | Montagne Pelée | 1.397 m |
| St. Lucia | innerer Vulkanbogen | Mount Gimie | 950 m |
| St. Vincent und die Grenadinen | innerer Vulkanbogen | Soufrière | 1.234 m |
| Grenada | innerer Vulkanbogen | Mount Saint Catherine | 840 m |
| Barbados | Akkretionskeil | Mount Hillaby | 340 m |
| Trinidad und Tobago | nicht auf dem Inselbogen | Cerro del Aripo | 940 m |
| Aruba | nicht auf dem Inselbogen | Jamanota | 188 m |
| Curaçao | nicht auf dem Inselbogen | nicht belegt | – |
| Bonaire | nicht auf dem Inselbogen | nicht belegt | – |
Warum bildet die Karibik überhaupt einen Bogen?¶
Weil unter ihm eine Plattengrenze liegt. Der Boden des Atlantiks schiebt sich von Osten unter die Karibische Platte. In etwa hundert Kilometern Tiefe entsteht dabei Schmelze, die aufsteigt; wo sie die Oberfläche erreicht, wächst ein Vulkan. Deshalb liegen die Inseln nicht verstreut, sondern auf einer Linie — und deshalb ist diese Linie gekrümmt.
Das Global Volcanism Program der Smithsonian Institution führt auf diesem Bogen sechzehn Vulkane, die im Holozän ausgebrochen sind — also in den letzten rund 11.700 Jahren. Fünf davon stehen allein auf Dominica, einer Insel, die man in zwei Stunden durchquert. Sechs sind seit 1900 ausgebrochen; der jüngste Ausbruch stammt von der Soufrière auf St. Vincent im Jahr 2021.
Der ungewöhnlichste steht nicht über Wasser. Kick ‚em Jenny liegt acht Kilometer nördlich von Grenada, 185 Meter unter der Oberfläche, und ist zuletzt 2017 ausgebrochen. Schiffe halten Sicherheitsabstand; Reisende bekommen ihn nie zu sehen.
Genauso aufschlussreich ist, wo keiner steht. Auf Antigua, Barbuda, Anguilla, Barbados, Aruba, Bonaire und Curaçao gibt es keinen einzigen Holozän-Vulkan. Die ersten vier liegen auf dem alten, erloschenen Außenbogen, die ABC-Inseln überhaupt nicht auf dem Bogen, sondern vor der südamerikanischen Küste. Barbados ist ein Sonderfall: Es ist kein Vulkan, sondern der herausgehobene Gipfel eines Sedimentkeils, den die abtauchende Platte vor sich herschiebt — zusammengeschobener Schlamm aus Orinoco und Amazonas.
Die Bewegung selbst ist nicht zu spüren. Der USGS gibt die Karibische Platte mit rund zwei Zentimetern pro Jahr nach Osten gegenüber der Nordamerikanischen Platte an. Das klingt nach nichts; in einem Menschenleben sind es anderthalb Meter, seit der Ankunft der Spanier 1492 gut zehn. Für einen Vulkanbogen reicht das aus. Was dabei herauskommen kann, steht auf der Seite zu Montserrat, dessen Hauptstadt seit den 1990er Jahren unter Asche liegt.
| Vulkan | Insel | Gipfel | Letzter Ausbruch |
|---|---|---|---|
| Mount Scenery | Saba | 887 m | 1640 |
| The Quill | Sint Eustatius | 601 m | 250 |
| Mount Liamuiga | St. Kitts | 1.156 m | 160 |
| Nevis Peak | Nevis | 985 m | unbekannt |
| Soufrière Hills | Montserrat | 915 m | 2013 |
| Soufrière (Guadeloupe) | Guadeloupe, Basse-Terre | 1.467 m | 1977 |
| Morne aux Diables | Dominica | 861 m | unbekannt |
| Morne Diablotins | Dominica | 1.430 m | unbekannt |
| Morne Trois Pitons | Dominica | 1.387 m | 920 |
| Morne Watt | Dominica | 1.224 m | 1997 |
| Morne Plat Pays | Dominica | 940 m | 1270 |
| Montagne Pelée | Martinique | 1.372 m | 1932 |
| Qualibou | St. Lucia | 777 m | 1766 |
| Soufrière (St. Vincent) | St. Vincent | 1.220 m | 2021 |
| Kick ‚em Jenny | unterseeisch, 8 km vor Grenada | 185 m unter dem Meer | 2017 |
| Mount St. Catherine | Grenada | 840 m | unbekannt |
Wo ziehen die Hurrikane wirklich entlang?¶
Durch einen überraschend scharf begrenzten Korridor. Die Karte zeigt aus 50 Saisons jeden Abschnitt, auf dem ein System Hurrikanstärke hatte — 168 Stürme der Jahre 1975 bis 2024. Sie kommen von Osten, laufen über die Kleinen Antillen und biegen nach Nordwesten ab. Unterhalb von etwa zwölf Grad Nord wird die Karte fast leer.
Genau dort liegen Aruba, Bonaire, Curaçao und Trinidad. Wir haben für jede Insel ausgezählt, wie viele dieser Stürme ihr auf 100 Kilometer nahe gekommen sind — gemessen von der Küstenlinie, nicht vom Inselmittelpunkt, und gegen die Bahnabschnitte statt gegen die einzelnen Messpunkte, weil ein schneller Sturm zwischen zwei Messungen 150 Kilometer zurücklegt und eine kleine Insel sonst einfach überspringt.
Das Ergebnis ist deutlich: Im Norden des Bogens kommen 11 bis 14 Durchgänge in 50 Jahren zusammen, auf Höhe von Dominica und Martinique noch 6, auf Grenada 4, auf Trinidad und Tobago 3 — und auf Aruba, Bonaire und Curaçao jeweils 1. Der meteorologische Dienst von Curaçao formuliert es selbst so: Die ABC-Inseln liegen auf 12 bis 13 Grad Nord und damit unterhalb der üblichen Zugbahnen; auf Curaçao ist noch nie ein Hurrikan direkt auf Land getroffen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist die hohe Zahl für Kuba kein Widerspruch, sondern eine Frage der Länge: Die Insel misst von West nach Ost 1.140 Kilometer und bietet dem Korridor entsprechend viel Angriffsfläche. Zweitens ist „selten“ nicht „nie“ — im Juli 2024 traf Beryl die zu Grenada gehörende Insel Carriacou als Sturm der Kategorie 4. Was das für die Reiseplanung bedeutet, und warum Buchungsform und Versicherung wichtiger sind als die Inselwahl allein, steht ausführlich unter Hurrikansaison in der Karibik.
Die Zahlen in der Tabelle sind unsere eigene Auszählung aus dem Datensatz, keine amtliche Statistik.
| Insel | Durchgänge | davon Kategorie 3 bis 5 |
|---|---|---|
| Kuba | 31 | 14 |
| Dominikanische Republik | 15 | 7 |
| Antigua | 14 | 5 |
| Puerto Rico | 13 | 6 |
| Barbuda | 12 | 5 |
| Guadeloupe | 12 | 5 |
| Kaimaninseln | 12 | 6 |
| Saba | 12 | 7 |
| Sint Eustatius | 12 | 6 |
| Anguilla | 11 | 6 |
| Haiti | 11 | 5 |
| Jamaika | 11 | 6 |
| Montserrat | 11 | 4 |
| Saint-Barthélemy | 11 | 6 |
| Saint-Martin (franz.) | 11 | 6 |
| Sint Maarten (niederl.) | 11 | 6 |
| St. Kitts und Nevis | 11 | 5 |
| Dominica | 6 | 4 |
| Martinique | 6 | 4 |
| St. Lucia | 6 | 3 |
| St. Vincent und die Grenadinen | 6 | 3 |
| Barbados | 5 | 1 |
| Grenada | 4 | 2 |
| Trinidad und Tobago | 3 | 2 |
| Aruba | 1 | 1 |
| Bonaire | 1 | 0 |
| Curaçao | 1 | 1 |
Wie groß ist die Karibik wirklich?¶
Größer, als fast jeder schätzt. Auf einer Karibikkarte wirken die Kleinen Antillen wie eine Perlenkette, die man in einer Woche abklappert. Deshalb zeigt die letzte Karte dieser Seite die Antillen nicht für sich, sondern im exakt gleichen Maßstab über Mitteleuropa gelegt.
Kuba allein ist von West nach Ost 1.140 Kilometer lang — Hamburg bis Rom sind 1.310. Der Bogen von Anguilla bis Grenada misst 700 Kilometer, mehr als Hamburg bis München mit 610. Und von Havanna bis Port of Spain auf Trinidad sind es 2.610 Kilometer: weiter als von Hamburg nach Athen.
Daraus folgt das Wichtigste, was diese Seite für eine Reiseplanung hergibt: Inselhopping in den Kleinen Antillen ist Fliegen, nicht Fährefahren. Fähren verbinden nur kurze Abschnitte — Guadeloupe, Dominica und Martinique etwa, oder St. Martin und Anguilla. Alles darüber hinaus ist ein Flug, und zwei „benachbarte“ Inseln können weiter auseinanderliegen als zwei europäische Hauptstädte. Welche Insel überhaupt zu welchem Reisewunsch passt, klärt welche Karibikinsel passt zu mir.
| Strecke | Entfernung |
|---|---|
| Kuba, West- bis Ostspitze | 1.140 km |
| Anguilla bis Grenada – der Bogen der Kleinen Antillen | 700 km |
| Havanna bis Port of Spain | 2.610 km |
| zum Vergleich: Hamburg bis München | 610 km |
| zum Vergleich: Hamburg bis Rom | 1.310 km |
| zum Vergleich: Hamburg bis Athen | 2.030 km |
Woher stammen die Daten dieser Karten?¶
Aus öffentlichen Datensätzen, und jede Linie ist aus ihnen berechnet. Es gibt auf dieser Seite keine fremden Kartenkacheln und keinen eingebetteten Kartendienst: Die Karten sind Vektorgrafiken, die aus den Rohdaten gezeichnet wurden. Deshalb funktionieren sie auch ohne Netz und lassen sich sauber ausdrucken.
Die Küstenlinien, Inselumrisse, Gipfelpunkte und Meerestiefen kommen von Natural Earth im Maßstab 1:10 Millionen — die gröbere Stufe 1:50 Millionen lässt Saba und St. Barthélemy schlicht verschwinden. Die Hurrikanbahnen stammen aus IBTrACS der US-amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA, die Vulkane vom Global Volcanism Program der Smithsonian Institution, die Plattengrenzen aus dem Datensatz PB2002 von Peter Bird. Die Höhe des Pico Duarte folgt nicht Natural Earth, sondern der GNSS-Vermessung des dominikanischen Instituto Geográfico Nacional von 2021: 3.101 Meter.
Ebenso wichtig ist, was nicht auf diesen Karten steht. Für Landnutzung und Schutzgebiete gibt es keine Quelle, die alle Inseln zum selben Stichjahr abdeckt, und Schutzgebietsgrenzen dürfen nicht weitergegeben werden. Curaçao, Bonaire und Barbuda tragen kein Gipfelzeichen, weil für sie keine geprüfte Höhe vorliegt. Die Bahamas, die Turks- und Caicosinseln und die Jungferninseln sind gezeichnet, aber nicht eingefärbt: Die Bahamas gehören geografisch nicht zu den Antillen, für die übrigen haben wir keine geprüfte Zuordnung. Eine Karte aus geschätzten Werten wäre eine schöne Lüge.
Mehr zu den Inseln selbst steht in den Übersichten zu den Großen Antillen und den Kleinen Antillen; die vier Karten zu Sprache, Wirtschaft und Bevölkerung stehen auf Die Menschen der Antillen.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Natural Earth — gemeinfreie Kartendaten im Maßstab 1:10 Millionen
- NOAA NCEI — IBTrACS, das internationale Archiv der Wirbelsturmbahnen
- Smithsonian Institution — Global Volcanism Program
- USGS — Erdbeben- und Tsunamiforschung in der Karibik, Plattenbewegung und Puerto-Rico-Graben
- Deep Sea Drilling Project, Initial Reports Band 78A — der Doppelbogen der Kleinen Antillen
- Meteorological Department Curaçao — Klima und Hurrikanlage der ABC-Inseln