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Das karibische Paradies

Faszination Karibik: die Großen Antillen

Kaimaninseln

Helles türkises Flachwasser und weißer Sand der Kaimaninseln unter tiefblauem Himmel.

Die Kaimaninseln sind ein britisches Überseegebiet südlich von Kuba und bestehen aus drei flachen Kalkinseln: Grand Cayman, Cayman Brac und Little Cayman. Bekannt sind sie für zwei sehr verschiedene Dinge — steil abfallende Riffwände, die zu den besten Tauchrevieren der Karibik zählen, und einen der größten Finanzplätze der Welt.

Statusbritisches Überseegebiet
SpracheEnglisch
WährungKaiman-Dollar (KYD), fest an den US-Dollar (USD) gebunden
HauptortGeorge Town auf Grand Cayman
Fläche264 Quadratkilometer auf drei Inseln
Einwohner90.577 (Schätzung, Stand Dezember 2025) — fast alle auf Grand Cayman
Höchster PunktThe Bluff auf Cayman Brac, 43 Meter
Beste ReisezeitDezember bis April (Trockenzeit)
Hurrikansaison1. Juni bis 30. November, Höhepunkt August bis Oktober
ZeitzoneUTC−5, ganzjährig — eine Stunde hinter dem übrigen Inselbogen

Woher kommt der Name Kaimaninseln?

Von einem Reptil, das es dort heute nicht mehr gibt. Als die spanische Expedition unter Christoph Kolumbus die Inseln am 10. Mai 1503 sichtete, nannte sie sie Las Tortugas — nach den Meeresschildkröten in den Gewässern. Der Name hielt nicht: Eine Karte von 1523 führt alle drei Inseln als Lagartos, Echsen, und um 1530 ist „Caymanas“ in Gebrauch, nach einem Wort aus den Sprachen der Region für große Krokodile. Francis Drake, der 1586 zwei Tage vor Grand Cayman ankerte, notierte, es gebe dort „große Schlangen, Caymanas genannt, wie große Eidechsen, und eßbar“.

Gemeint waren echte Krokodile. Subfossile Schädelfunde auf Grand Cayman gehören zum Kubakrokodil; Radiokohlenstoffdaten zeigen, dass die Tiere noch in historischer Zeit auf der Insel lebten und erst innerhalb der letzten fünfhundert Jahre verschwanden — mit großer Wahrscheinlichkeit durch Bejagung. Das größte Landreptil der Inseln ist heute der Blaue Leguan Grand Caymans. Er war Anfang der 2000er Jahre fast ausgestorben; ein Zucht- und Auswilderungsprogramm hat den Bestand so weit aufgebaut, dass die Weltnaturschutzunion IUCN die Art aus der höchsten Gefährdungsstufe zurückstufen konnte. Wer ihn sehen will, geht in den Botanischen Garten im Osten der Insel.

Ein kräftig blaugrau gefärbter Leguan mit Nackenkamm sitzt in praller Sonne auf warmem Kalkfels.
Der Blaue Leguan kommt nur auf Grand Cayman vor. Anfang der 2000er Jahre lebten weniger als dreißig Tiere in freier Wildbahn — eine Zuchtstation und zwei Schutzgebiete haben den Bestand seither wieder aufgebaut.

Warum gelten die Kaimaninseln als Tauchziel erster Wahl?

Weil die drei Inseln die Spitzen eines untermeerischen Rückens sind, der unmittelbar in die Tiefe abfällt. Südlich davon liegt der Kaimangraben, die tiefste Stelle des Karibischen Meeres. Für Tauchende heißt das: Riffkante und Steilwand liegen oft nur wenige hundert Meter vor dem Ufer, das Wasser ist klar, und Boote brauchen keine langen Wege.

Der berühmteste Ort dieser Art ist die Bloody Bay Wall vor Little Cayman — eine Wand, deren Oberkante an der flachsten Stelle in rund fünfeinhalb Metern Tiefe liegt und die von dort über weite Strecken nahezu senkrecht in mehr als zweitausend Meter Tiefe abfällt. Sie ist als Meeresreservat geschützt, und die Kaimaninseln haben ihre Riffe früh unter Schutz gestellt: Das Netz der Meeresschutzgebiete besteht seit 1986 und wurde 2021 auf etwa die Hälfte der Küstengewässer ausgeweitet; Ankern ist an feste Mooringbojen gebunden, das Entnehmen von Korallen und Meeresleben verboten. Wie Riffe in der Region insgesamt entstanden sind und worunter sie leiden, steht auf der Seite über die Natur der Antillen.

Eine dicht mit Schwämmen und Fächerkorallen bewachsene Riffkante bricht senkrecht ins tiefe Blau ab.
Die Bloody Bay Wall vor Little Cayman: Oberkante bei rund fünfeinhalb Metern, von dort nahezu senkrecht auf über zweitausend Meter. Genau das macht die flachsten Inseln der Region zum Steilwandrevier.

Was ist Stingray City — und wie geht man damit um?

Eine Ansammlung Amerikanischer Stechrochen im North Sound, der großen Lagune im Norden Grand Caymans. Genau genommen sind es zwei Orte: die knietiefe Sandbank, auf der Besucher zwischen den Tieren stehen, und der eigentliche Tauchplatz Stingray City in einigen Metern Tiefe. Entstanden ist beides aus einer Gewohnheit — bereits in den 1930er Jahren reinigten Fischer dort im ruhigen Wasser ihren Fang, die Rochen kamen zu den Abfällen, und seit 1986 wird gezielt zugefüttert.

Das ist kein Naturerlebnis im strengen Sinn, sondern eine gefütterte Ansammlung wilder Tiere — mit den bekannten Folgen für Verhalten und Gesundheit. Die Inseln haben beide Stellen deshalb als Wildlife Interaction Zones ausgewiesen, die einzigen Orte des Territoriums, an denen Füttern überhaupt erlaubt ist. Die Auflagen sind konkret: Nur eine benannte Person pro Boot darf füttern, höchstens ein halbes Kilo zugelassenes Futter je Fahrt, nur bestimmte Fischarten, höchstens eine Stunde Aufenthalt, keine Schuhe im flachen Wasser. Wer hinfährt, weiß damit, worauf er sich einlässt.

Mehrere Stechrochen gleiten dicht über eine helle Sandbank in flachem türkisfarbenem Wasser.
Stingray City ist kein Zufallsfund, sondern eine Gewohnheit: Seit den 1930er Jahren reinigten Fischer hier ihren Fang, seit 1986 wird gezielt zugefüttert. Die Inseln haben die Stelle deshalb als Wildlife Interaction Zone geregelt.

Was gibt es auf Little Cayman und Cayman Brac?

Ruhe, Vögel und Fisch. Die drei Inseln unterscheiden sich stärker voneinander, als ihre gemeinsame Verwaltung vermuten lässt:

InselReliefWofür sie stehtWer hinfährt
Grand CaymanflachGeorge Town, Seven Mile Beach, Stingray City, der Finanzplatzfast alle Gäste — Hotellerie und Kreuzfahrt
Little CaymanflachBloody Bay Wall, Bonefish-Revier, Rotfußtölpel am Booby PondTauchende und Vogelbeobachter, wenige Betten
Cayman BracKalkrücken bis 43 MeterThe Bluff — die einzige Klippe des Territoriums, Höhlen, Kletternwer Relief und Ruhe sucht

Little Cayman hatte bei der Volkszählung 2021 gerade einmal 161 Einwohner. Im Süden liegen ausgedehnte Sandflächen im flachen Wasser, die als Bonefish-Revier gelten: Der Bonefish oder Grätenfisch ist ein scheuer Flachwasserfisch, der mit der Fliegenrute befischt und in aller Regel wieder freigelassen wird. Die ältere deutschsprachige Reiseliteratur nennt an dieser Stelle gelegentlich „Lachsangeln“ — das ist schlicht falsch: Lachse leben im kühlen Nordatlantik und Nordpazifik, in der Karibik kommen sie nicht vor.

Am Booby Pond, einer flachen Brackwasserlagune hinter Mangroven, brütet außerdem die größte Kolonie von Rotfußtölpeln der Karibik — auf Englisch heißen die Vögel booby, daher der Name — zusammen mit Prachtfregattvögeln, die den Tölpeln ihre Beute abjagen. Das Gebiet ist seit 1994 als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention geschützt. Der Bestand steht allerdings unter Druck: 1997 wurden rund 4.800 Brutpaare gezählt — das entspricht etwa 9.600 erwachsenen Tieren —, die Erhebung von 2018 kam auf gut 5.000 erwachsene Vögel. Der Bestand hat sich damit ungefähr halbiert; die beiden Zählungen erfassen allerdings Unterschiedliches, Paare gegen Einzeltiere, und sind nicht ohne Weiteres gegeneinander zu rechnen.

Cayman Brac verdankt seinen Namen dem einzigen Relief der Inselgruppe: „brac“ ist ein gälisches Wort für Steilhang, und der Kalkrücken der Insel steigt nach Osten auf 43 Meter an, wo er als Klippe über dem Meer endet. Das ist der höchste Punkt des ganzen Territoriums — die Kaimaninseln sind flach wie kaum eine andere Inselgruppe der Region.

Was haben Schiffbau, Schildkröten und Sklaverei mit den Inseln zu tun?

Alles, denn eine Plantagenwirtschaft hat es hier nie gegeben. Die Kaimaninseln sind zu klein, zu trocken und zu steinig für Zuckerrohr. Dauerhaft besiedelt wurden sie erst ab den 1730er Jahren, und die Menschen lebten von dem, was das Meer hergab: vom Fang der Meeresschildkröten, die die Insel ursprünglich benannt hatten, von der Seefahrt und vom Schiffbau. Trotzdem gab es Sklaverei auch hier — Siedler brachten versklavte Menschen mit, vor allem aus Jamaika, und ein erheblicher Teil der heutigen Bevölkerung stammt von ihnen ab.

Das Ende der Sklaverei im Britischen Empire wurde deshalb auch auf den Kaimaninseln verkündet: Im Pedro St. James, einem Steinhaus aus dem 18. Jahrhundert an der Südküste Grand Caymans, wurde 1835 die Emanzipationsproklamation verlesen. Dasselbe Haus gilt als Geburtsort der lokalen Selbstverwaltung, weil dort 1831 die Wahl einer eigenen Versammlung beschlossen wurde. Den größeren Zusammenhang erzählt die Seite über Sklaverei und Emanzipation in der Karibik.

Staatsrechtlich blieben die Inseln lange ein Anhängsel. Im Vertrag von Madrid erkannte Spanien 1670 den englischen Besitz an; ab 1863 waren die Kaimaninseln förmlich eine Dependance der Kolonie Jamaika, verwaltet von dort. Erst am 6. August 1962, dem Tag, an dem Jamaika unabhängig wurde, wurden sie eine eigenständige Kolonie — heute ein britisches Überseegebiet mit eigener Regierung und eigener Währung. Die Behauptung mancher älterer Reiseführer, die Inseln seien „seit dem 19. Jahrhundert“ britisch geworden, verwechselt diesen Verwaltungsakt mit dem Erwerb zweihundert Jahre zuvor.

Wie wurde eine kleine Inselgruppe zu einem der größten Finanzplätze der Welt?

Durch Gesetzgebung. In den 1960er Jahren schuf das Territorium einen rechtlichen Rahmen für Gesellschaften, Trusts und später Investmentfonds, und es erhebt bis heute keine direkten Steuern — keine Einkommen-, Körperschaft- oder Kapitalertragsteuer. Das Ergebnis: Auf den Kaimaninseln sind weit mehr Gesellschaften registriert, als das Territorium Einwohner hat, und der Ort ist einer der weltweit wichtigsten Sitze für Investmentfonds.

Für Reisende ist das vor allem an den Preisen spürbar. Fast alles wird eingeführt, das Lohnniveau ist hoch, und der Kaiman-Dollar steht fest über dem US-Dollar — die Kaimaninseln gehören zu den teuersten Zielen der Karibik. Wie sich das im Vergleich darstellt, zeigt die Übersicht zu Kosten und Budget in der Karibik.

Welche Reiseform passt zu den Kaimaninseln?

Zwei, und sie unterscheiden sich stark. Die erste ist der Tauch- oder Badeaufenthalt: Die Hotellerie sitzt fast vollständig am Seven Mile Beach westlich von George Town — der trotz seines Namens keine sieben Meilen misst, sondern je nach Messung rund acht bis zehn Kilometer —, dazu kommen kleine Tauchresorts auf den Schwesterinseln. Angereist wird über Nordamerika oder London; Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum gibt es nicht.

Die zweite ist der Landgang: George Town ist einer der meistangelaufenen Kreuzfahrthäfen der westlichen Karibik. Ein Pier für große Schiffe fehlt bis heute, Gäste kommen mit Tenderbooten an Land. Über den Bau einer festen Anlegestelle wurde auf den Inseln jahrelang gestritten; in einer Volksabstimmung am 30. April 2025 wurde das Vorhaben mit rund 69 Prozent der Stimmen abgelehnt. Wer die Region auf diese Weise sehen will, findet die Routen unter Kreuzfahrten in der Karibik. Und wer die flachen Kalkinseln mit ihrem Gegenteil vergleichen möchte, findet es bei den Großen Antillen insgesamt oder auf dem vulkanischen Bogen der Kleinen Antillen.

Ein Datum bleibt in der Planung präsent: Im September 2004 traf Hurrikan Ivan Grand Cayman und beschädigte einen Großteil der Gebäude auf der Insel. Der Wiederaufbau hat die Bauvorschriften verschärft — die Hurrikansaison gehört hier trotzdem in jede Reiseplanung.

Quellen und weiterführende Informationen

Quizfrage

Welchen Namen gab Kolumbus den Kaimaninseln, als er sie 1503 sichtete?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.

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