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Das karibische Paradies

Geschichte der Antillen

Unabhängigkeit und Gegenwart

Belebte Hauptstraße mit Sammelbussen, Betonläden mit Markisen und einem Gewirr von Oberleitungen.

Die Antillen haben ihre Unabhängigkeit nicht gemeinsam und nicht gleichzeitig bekommen — und ein erheblicher Teil der Region ist bis heute nicht unabhängig. Wer die Karibik bereist, merkt das an der Währung, an der Sprache und spätestens bei der Einreise. Hier ist der lange Bogen, vom ersten Bruch bis zur Gegenwart.

Wie wurde aus einem Sklavenaufstand der Staat Haiti?

Saint-Domingue, der französische Westen Hispaniolas, war in den 1780er Jahren die ertragreichste Kolonie der Welt — und die Gesellschaft mit dem schärfsten Gefälle: eine kleine Pflanzerschicht, freie Farbige mit begrenzten Rechten, und eine große Mehrheit versklavter Menschen. Im August 1791 begann im Norden der Kolonie ein Aufstand, der als Selbstbefreiung der Versklavten begann und in einem Unabhängigkeitskrieg endete.

1793 hob der Kommissar Sonthonax die Sklaverei im Norden auf, im Februar 1794 bestätigte das der Nationalkonvent für alle französischen Kolonien. In diesen Jahren stieg Toussaint Louverture auf, selbst als Versklavter geboren: Er drängte spanische und britische Truppen ab, regierte die Kolonie faktisch und gab ihr 1801 eine eigene Verfassung. 1802 schickte Napoleon ein Heer unter Leclerc, ließ Toussaint ergreifen und nach Frankreich bringen, wo er im April 1803 im Fort de Joux starb. Weil dieselbe Politik die Sklaverei wiederherstellte, wurde der Krieg total — und das Gelbfieber rieb die französische Armee auf. Am 1. Januar 1804 rief Jean-Jacques Dessalines in Gonaïves die Unabhängigkeit aus und gab dem Staat den indigenen Namen Haiti.

Es war der erste unabhängige Staat der Region und der einzige, der aus einem erfolgreichen Aufstand versklavter Menschen hervorging. Der Preis war Isolation: Frankreich erkannte Haiti erst 1825 an, gegen eine Entschädigung von 150 Millionen Francs, später auf 90 Millionen gesenkt. Haiti musste dafür Kredite aufnehmen; die Last wirkte bis weit ins 20. Jahrhundert. Die USA nahmen erst 1862 diplomatische Beziehungen auf.

Wie wurden die Dominikanische Republik und Kuba unabhängig?

Die Dominikanische Republik hat einen eigenwilligen Weg: 1822 bis 1844 stand der Ostteil Hispaniolas unter haitianischer Herrschaft, am 27. Februar 1844 erklärte er seine Unabhängigkeit — nicht von einer europäischen Macht, sondern vom Nachbarn. 1861 kehrte das Land freiwillig unter spanische Herrschaft zurück; der Restaurationskrieg beendete das 1865 endgültig.

Kuba kämpfte länger als alle: Zehnjähriger Krieg 1868 bis 1878, dann der Unabhängigkeitskrieg ab 1895, in dem José Martí fiel. 1898 griffen die USA ein und besiegten Spanien. Die Republik wurde am 20. Mai 1902 ausgerufen, blieb aber durch das Platt Amendment eingeschränkt, das den USA ein Interventionsrecht und den Stützpunkt Guantánamo sicherte; es wurde 1934 aufgehoben.

Wann wurden die britischen Kolonien unabhängig?

Die britischen Kolonien versuchten es zunächst gemeinsam: Die Westindische Föderation von 1958 zerbrach nach einem jamaikanischen Referendum. Danach ging es einzeln — Jamaika am 6. August 1962, Trinidad und Tobago am 31. August 1962, Barbados am 30. November 1966, die Bahamas 1973, Grenada 1974, Dominica 1978, St. Lucia und St. Vincent 1979, Antigua und Barbuda 1981, St. Kitts und Nevis 1983. 1973 entstand mit CARICOM eine gemeinsame Gemeinschaft.

Die meisten blieben Monarchien mit dem britischen Staatsoberhaupt. Barbados beendete das am 30. November 2021, dem 55. Jahrestag der Unabhängigkeit, und wurde mit Sandra Mason als Präsidentin Republik — die erste Umstellung dieser Art in der Region seit Jahrzehnten.

Welche Inseln sind bis heute nicht unabhängig?

  • Puerto Rico gehört seit 1898 zu den USA. Die Bevölkerung hat seit 1917 die US-Staatsbürgerschaft, seit 1952 gilt der Status als Estado Libre Asociado: ein nicht inkorporiertes Territorium. Wer dort lebt, kann nicht an der Präsidentschaftswahl teilnehmen, und die Vertretung im Kongress hat kein Stimmrecht im Plenum.
  • Martinique und Guadeloupe sind seit 1946 französische Départements, heute Übersee-Départements und Regionen der EU in äußerster Randlage. Saint-Martin und Saint-Barthélemy wurden 2007 eigene Gebietskörperschaften.
  • Die niederländischen Inseln: Mit der Auflösung der Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 wurden Curaçao und Sint Maarten eigenständige Länder im Königreich, wie Aruba es seit 1986 ist. Bonaire, Sint Eustatius und Saba sind besondere Gemeinden der Niederlande. Zur Lage der ABC-Inseln gehört, dass sie nicht zum EU-Gebiet zählen.

Warum betrifft der politische Status Ihre Reise?

Der politische Status entscheidet über sehr praktische Dinge:

GebietWährung und Formalitäten
Puerto RicoUS-Dollar; es gelten die Einreiseregeln der USA (ESTA oder Visum)
Martinique, GuadeloupeEuro, französisches Recht — aber kein Schengen-Raum, daher Grenzkontrollen
ArubaAruba-Florin
Curaçao, Sint MaartenKaribischer Gulden (XCG), seit dem 31. März 2025 anstelle des Antillen-Gulden
Bonaire, Saba, Sint EustatiusUS-Dollar
OECS-Staaten (u. a. Antigua, St. Lucia, Grenada)Ostkaribischer Dollar (XCD), fest an den US-Dollar gebunden

Für Kuba benötigen Reisende zusätzlich eine Touristenkarte. Und eine Regel, die viele überrascht: Ein Kuba-Aufenthalt kann die Berechtigung zur visumfreien US-Einreise berühren. Diese Vorgaben haben sich mehrfach geändert — prüfen Sie sie vor der Buchung, besonders bei Reisen, die Kuba und die USA verbinden.

Die Landkarte der Antillen ist in weiten Teilen noch die des 17. Jahrhunderts, wie sie im Bereich Geschichte nachzulesen ist. Nur an einer Stelle hat sie jemand gegen alle Absichten Europas neu gezeichnet — und das war 1804, in Haiti.

Quellen und weiterführende Informationen

Quizfrage

Von wem erklärte sich die Dominikanische Republik 1844 für unabhängig?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.