Antillen.de
Antillen.de

Das karibische Paradies

Geschichte der Antillen

Piraten der Karibik

Kupferstich einer schweren See, klein und tief im Bild eine einmastige Slup unter Segel.
Dargestellt im Stil eines Kupferstichs des 18. Jahrhunderts.

Zwischen etwa 1650 und 1730 war die Karibik tatsächlich das, wofür sie im Kino steht: das Zentrum der Seeräuberei. Die Geschichte ist gut belegt, sie ist spannend — und sie sieht aus der Nähe anders aus als die Legende. Vor allem war sie kein Abenteuer, sondern gewaltsamer Raub.

Warum wurde ausgerechnet die Karibik zum Piratenrevier?

Spanien verschiffte das Silber Amerikas in Konvois nach Europa, und diese Flotten sammelten sich in Havanna, bevor sie den Atlantik querten. Damit lag vor Kuba die wertvollste Schiffsroute der Welt. Gleichzeitig war die Region politisch zersplittert: Ein halbes Dutzend europäischer Mächte lag dort fast durchgehend im Krieg, und jede Insel bot Buchten, in denen ein Schiff verschwinden konnte.

Wie wurden aus Fleischräucherern Seeräuber?

Die Bukaniere begannen als Jäger. Im Nordwesten Hispaniolas lebten Männer vom verwilderten Vieh, das die Spanier zurückgelassen hatten, und räucherten das Fleisch auf einem Holzrost, französisch boucan — daher der Name. Spanische Versuche, sie zu vertreiben, trieben sie aufs Wasser. Ihr Stützpunkt wurde ab den 1630er Jahren die Insel Tortuga; organisiert wurde die Ansiedlung unter anderem von St. Kitts aus, das heute zu den Leeward Islands zählt.

Was unterschied einen Freibeuter von einem Piraten?

Ein Kaperfahrer oder Freibeuter besaß einen Kaperbrief: die staatliche Erlaubnis, im Krieg Schiffe des Gegners aufzubringen. Die Beute musste vor ein Prizengericht, ein Anteil ging an die Krone. Wer ohne Kaperbrief oder im Frieden dasselbe tat, war Pirat — rechtlich Feind aller Nationen, und als solcher zu hängen. Die Grenze verlief nicht durch den Charakter, sondern durch die Papiere, und sie verschob sich mit jedem Friedensschluss. Viele Männer haben sie in beide Richtungen überschritten.

Was geschah mit Port Royal?

England nahm Jamaika 1655 den Spaniern ab und brauchte Verteidiger für den neuen Hafen. Die Gouverneure stellten Kaperbriefe aus, und Port Royal wurde vom Beutegeld reich — Werften, Tavernen, Handelshäuser, ein zeitgenössischer Ruf als verruchteste Stadt der Karibik.

Am 7. Juni 1692 zerstörte ein Erdbeben die Stadt. Der Sandhaken, auf dem sie stand, verflüssigte sich; etwa zwei Drittel des Ortes versanken im Meer. Zeitgenössische Berichte und neuere Schätzungen sprechen von rund zweitausend unmittelbar Getöteten und Tausenden weiteren in den Wochen danach durch Verletzungen und Seuchen. Port Royal erholte sich nie; Kingston übernahm.

Was im Boden und unter Wasser blieb, steht seit 2025 unter dem Schutz der UNESCO. Am 12. Juli 2025 nahm das Welterbekomitee auf seiner 47. Sitzung in Paris die Reste der Stadt in die Welterbeliste auf — nach dem amtlichen Titel als „The Archaeological Ensemble of 17th Century Port Royal“, das archäologische Ensemble des Port Royal des 17. Jahrhunderts. Geschützt sind der versunkene wie der an Land erhaltene Teil samt den sechs Forts, die 1692 dort standen; die Einschreibung erfolgte nach den Kriterien (iv) und (vi). Es ist nach den Blue and John Crow Mountains (2015) die zweite Welterbestätte Jamaikas — und nach Angabe der jamaikanischen Denkmalbehörde die erste Stätte ihrer Art auf der Liste, weil sie die Welterbekonvention mit der Konvention zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes verbindet.

Wer war Henry Morgan — Pirat oder Vizegouverneur?

Kein Lebenslauf zeigt die dünne Linie besser. Der Waliser Henry Morgan fuhr mit Kaperbriefen jamaikanischer Gouverneure, überfiel 1668 Portobelo, 1669 Maracaibo und 1671 Panama — letzteres, nachdem der Friede von Madrid 1670 den Krieg mit Spanien bereits beendet hatte. Morgan wurde verhaftet und nach London gebracht. Bestraft wurde er nicht: 1674 zum Ritter geschlagen, kehrte er als stellvertretender Gouverneur nach Jamaika zurück und ging dort gegen Piraten vor. Er starb 1688 als angesehener Pflanzer.

Wer waren Blackbeard, Anne Bonny und Mary Read?

Nach dem Frieden von Utrecht 1713 wurden Tausende Seeleute entlassen — der zweite und bekanntere Piratenschub. Sein Zentrum war Nassau auf New Providence, bis der neue Gouverneur Woodes Rogers 1718 mit einem königlichen Pardon anrückte und die Sache beendete.

Blackbeard, mit bürgerlichem Namen Edward Teach, führte die Queen Anne’s Revenge, ein gekapertes französisches Sklavenschiff, blockierte 1718 den Hafen von Charles Town und fiel am 22. November 1718 bei Ocracoke im Gefecht gegen eine Marineabteilung unter Robert Maynard. Die brennenden Lunten in seinem Bart sind zeitgenössisch überliefert und waren vor allem Kalkül: Eine Besatzung, die kampflos aufgibt, kostet nichts.

Anne Bonny und Mary Read fuhren mit John „Calico Jack“ Rackham. Im November 1720 wurden sie vor Jamaika aufgebracht und in Spanish Town verurteilt; beide entgingen dem Galgen, indem sie erklärten, schwanger zu sein. Mary Read starb 1721 im Gefängnis. Was aus Anne Bonny wurde, ist nicht überliefert — und genau hier beginnt die Legende.

Was am Piratenbild ist belegt und was erfunden?

Fast alles, was wir über diese beiden und über viele andere zu wissen glauben, stammt aus einem einzigen Buch: A General History of the Pyrates, 1724 unter dem Namen Captain Charles Johnson erschienen. Wer der Autor war, ist ungeklärt; die lange übliche Zuschreibung an Daniel Defoe gilt heute überwiegend als widerlegt. Das Buch mischt Recherche und Erfindung — und hat das Piratenbild bis in den heutigen Film geprägt.

  • Vergrabene Schätze mit Karte: praktisch nicht belegt. Beute wurde geteilt und ausgegeben.
  • Über die Planke gehen: für die Blütezeit nicht nachweisbar, eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
  • Schiffsartikel, gewählte Kapitäne, feste Beuteanteile und Entschädigung für Verletzungen: belegt.
  • Schwarze Flaggen: belegt, in vielen Varianten.

War Piraterie ein Abenteuer?

Piraterie war ein Geschäft, das von Angst lebte. Gefangene wurden gefoltert, um Ladung preiszugeben, Besatzungen getötet, Küstenorte geplündert und Bewohner gegen Lösegeld festgehalten. Viele Piratenschiffe waren gekaperte Sklavenschiffe, und die Menschen an Bord wurden weiterverkauft. Auch die Kaimaninseln, damals unbesiedelt, waren nur eine Zwischenstation für Wasser und Schildkrötenfleisch.

Der Stoff bleibt gutes Erzählmaterial. Man sollte nur wissen, dass es kein Abenteuerroman war, während es geschah — der Rest der Antillengeschichte hilft beim Einordnen.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Encyclopaedia Britannica — Einträge zu Bukanieren, Henry Morgan, Edward Teach und Port Royal
  • Captain Charles Johnson, A General History of the Pyrates, London 1724 — die zeitgenössische Hauptquelle; die Verfasserschaft ist ungeklärt, und das Buch mischt Recherche und Erfindung
  • Jamaica National Heritage Trust — Dokumentation zum Erdbeben von Port Royal am 7. Juni 1692
  • Jamaica Information Service — „Port Royal now a World Heritage Site“, 12. Juli 2025 — die Mitteilung des jamaikanischen Kulturministeriums zur Einschreibung, mit dem amtlichen Titel, den Kriterien und der Begründung der Gutachter

Quizfrage

Womit streckten Piraten ihren Rum, damit er länger reichte?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.