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Das karibische Paradies

Essen und Trinken in der Karibik

Sancocho

Sancocho

Sancocho ist der dicke Eintopf der Dominikanischen Republik: mehrere Fleischsorten, Wurzelgemüse, Kürbis und grüne Kochbanane, stundenlang in einem Topf. Er wird nicht unter der Woche gekocht, sondern wenn viele Menschen zusammenkommen — an Feiertagen, bei Regen und traditionell am Tag nach einer langen Nacht.

Portionen6 bis 8 Personen
Vorlauf30 Minuten Marinade, besser über Nacht
Aktive Zeit45 Minuten, dazu 2 bis 2,5 Stunden Kochzeit
Schwierigkeitmittel — nicht kompliziert, aber die Reihenfolge entscheidet
Schärfekeine im Topf; scharfe Sauce steht auf dem Tisch
Dazuweißer Reis, Avocado, Limette

Was kommt hinein?

Die Festtagsversion heißt sancocho de siete carnes und enthält sieben Fleischsorten. Die folgende Fassung mit dreien ergibt denselben Eintopf und passt in einen normalen Topf.

MengeZutatHinweis für die deutsche Küche
500 gRindfleisch zum Schmoren, mit KnochenBeinscheibe oder Bug. Der Knochen ist kein Beiwerk, er bindet die Brühe.
500 gHähnchenteile mit Knochen
400 gSchweineschulter oder Schweinerippchen
200 gdominikanische Salami oder longanizaOptional, gibt Würze und Farbe. Ersatz: eine kräftige, grob geschnittene Fleischwurst oder eine milde Paprikawurst, vorher angebraten.
400 gYuca (Maniok)Frisch oder tiefgekühlt im Asien- und Lateinamerikaladen. Maniok muss immer vollständig durchgegart werden und wird nie roh probiert. Die harte Faser in der Mitte wird nach dem Kochen herausgezogen.
400 gYams (ñame)Im Afroshop. Ersatz: festkochende Kartoffeln, spät zugegeben.
300 gYautía (Malanga, Taro)Im Asienladen. Ersatz: mehlige Kartoffeln — sie binden ähnlich.
400 gAuyama (karibischer Kürbis)Hokkaido oder Butternut. Er zerfällt absichtlich und ist die Bindung des Eintopfs.
2grüne KochbananenIm Afro- und Asienladen. Grün, nicht gelb — gelbe sind süß und lösen sich auf.
1Maiskolben, in ScheibenOptional, tiefgekühlt erhältlich
1Zwiebel, 5 Knoblauchzehen, 1 Ají cubanelaAjí cubanela ist eine milde, dünnwandige Paprika; Ersatz ist eine grüne Spitzpaprika
1 BundKoriandergrünKlassisch auch culantro (Eryngium foetidum), im Asienladen als „sawtooth herb“
2 TLgetrockneter Oregano
1Bitterorange (naranja agria)Praktisch nicht erhältlich. Ersatz: 2 Teile Orangensaft auf 1 Teil Limettensaft.
2,5 lWasser, Salz, Pfeffer, Öl
Stücke von Maniok, Yams, Kürbis und grüner Kochbanane liegen auf einem Holzbrett.
Die ground provisions — Maniok, Yams, Yautía, Kürbis und grüne Kochbanane. Jede Sorte hat eine eigene Garzeit, deshalb kommen sie nacheinander in den Topf.

Wie wird Sancocho zubereitet?

  1. Marinieren. Die Fleischsorten getrennt mit gehacktem Knoblauch, Oregano, Salz, Pfeffer und dem Bitterorangensaft einreiben und mindestens 30 Minuten, besser über Nacht, kühl stellen.
  2. Anbraten. Etwas Öl in einem großen Topf erhitzen, das Fleisch portionsweise kräftig anbräunen und herausnehmen. Die Röststoffe am Topfboden sind die Farbe des fertigen Eintopfs.
  3. Würzbasis. Zwiebel, Ají und den restlichen Knoblauch im Bratfett andünsten, das Fleisch zurückgeben, mit dem Wasser aufgießen und aufkochen. Den aufsteigenden Schaum abschöpfen.
  4. Fleisch garen. Zugedeckt bei kleiner Hitze köcheln: das Rindfleisch 60 Minuten, danach Schwein und Hähnchen zugeben und weitere 30 Minuten. Das Fleisch soll sich vom Knochen lösen lassen.
  5. Gemüse nacheinander. Jetzt kommt die Reihenfolge, an der der Eintopf hängt: zuerst Yuca und grüne Kochbanane (etwa 25 Minuten), nach 10 Minuten Yams und Yautía, nach weiteren 10 Minuten Kürbis und Mais. So ist am Ende alles gar und nichts zerkocht.
  6. Binden. Ein paar Stücke Kürbis und Yautía am Topfrand mit dem Löffel zerdrücken und einrühren. Der Sancocho soll den Löffel überziehen — dünn ist er eine Suppe, und das ist er nicht. Wird er zu dick, heißes Wasser zugeben.
  7. Abschmecken und servieren. Koriandergrün einrühren, salzen, mit Limette abschmecken. In tiefen Tellern mit einer Beilage weißem Reis, Avocadoscheiben und scharfer Sauce servieren.
Tiefer Teller mit dickem Fleisch-Gemüse-Eintopf, daneben weißer Reis und Avocadoscheiben.
Sancocho kommt mit Reis daneben auf den Tisch, nicht darin. Die Avocado ist keine Dekoration, sie gleicht die Salzigkeit aus.

Woher kommt der Sancocho?

Der Name ist spanisch und erklärt das Verfahren. Sancochar heißt „halb gar kochen“ und geht auf das lateinische semicoctus zurück — dasselbe Wort steckt in „halbgekocht“. Gemeint war ursprünglich das Vorgaren, aus dem in der Karibik das stundenlange Schmoren wurde. Die Bauform selbst ist iberisch: Der cocido und die olla podrida der spanischen Küche sind ebenfalls Eintöpfe, in denen verschiedene Fleischsorten und Hülsenfrüchte in einem Topf garen und Brühe und Einlage getrennt gegessen werden.

Der Inhalt ist es nicht. Maniok und Süßkartoffel sind in der Region heimisch und waren das Grundnahrungsmittel der Taíno, die aus Maniok das Fladenbrot casabe herstellten — es steht bis heute auf dominikanischen Tischen. Yams dagegen kommt aus Westafrika und wurde mit dem Sklavenhandel eingeführt, zunächst als Proviant auf den Schiffen, dann als Anbaupflanze. Die Kochbanane stammt aus Südostasien und erreichte die Karibik über Afrika. Und das Rind, das Schwein und der Reis kamen mit den Spaniern.

Ein Teller Sancocho enthält damit vier Kontinente, und das ist keine Deutung, sondern die Zutatenliste. Genau das meint der Begriff kreolische Küche: nicht eine bestimmte Würzung, sondern das Ergebnis einer erzwungenen Vermischung, aus der die Menschen etwas Eigenes gemacht haben. Auf Puerto Rico heißt der nächste Verwandte sancocho ebenfalls, in Kolumbien und Venezuela gibt es ihn mit anderen Wurzeln und Fischen, und auf den englischsprachigen Inseln steht der pepperpot an derselben Stelle.

Wann isst man Sancocho?

Nie allein und selten spontan. Er ist das Essen für Familienfeste, Taufen und den 31. Dezember, für Regentage und für den Morgen nach einer Feier — die dominikanische Redensart, ein Sancocho helfe gegen die Folgen einer langen Nacht, ist so verbreitet wie das Gericht selbst. Politisch ist er außerdem das Sinnbild des Zusammenkommens: Wer in der Dominikanischen Republik zum Sancocho einlädt, lädt nicht zum Abendessen ein, sondern zu einem Nachmittag.

Das hat Folgen für die Menge. Ein Sancocho für vier Personen ist eine Fehlkonstruktion — der Topf braucht die Vielfalt an Fleisch und Wurzeln, um seinen Geschmack zu bekommen. Am zweiten Tag ist er dicker und besser; dann wird er mit heißem Wasser aufgelockert, nicht mit Brühe.

Was ersetzt man in Deutschland, was nicht?

Ersetzbar sind die Wurzeln: Mehlige Kartoffeln übernehmen die Rolle der Yautía, festkochende die des Yams. Nicht ersetzbar sind zwei Dinge. Die grüne Kochbanane muss grün sein — eine gelbe bringt Süße in ein Gericht, das keine haben soll, und löst sich vollständig auf. Und der Knochen im Fleisch: Ohne ihn fehlt der Brühe die Bindung, und der Eintopf schmeckt dünn, obwohl alles darin ist.

Die verwandten Gerichte der Dominikanischen Republik stehen ebenfalls in der Sammlung: Mangú nutzt dieselbe grüne Kochbanane am Morgen, Moros y Cristianos zeigt die spanische Seite derselben Küche. Alle Rezepte: Rezeptübersicht. Zum Überblick über die Region: typische Gerichte und der Hub Essen und Trinken in der Karibik.

Quellen und weiterführende Informationen

Quizfrage

Der dominikanische Festtagseintopf Sancocho trägt einen Namen, der wörtlich etwas anderes verspricht. Was heißt er?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.