
Die Piña Colada ist ein Mixgetränk aus weißem Rum, gesüßter Kokoscreme und Ananassaft, gemixt mit Crushed Ice. Sie stammt aus Puerto Rico und gilt dort seit 1978 als offizielles Getränk der Insel. Wer sie einmal frisch getrunken hat, kennt ein anderes Getränk als das aus der Fertigmischung.
| Glas | hohes Glas oder Hurricane-Glas, etwa 35 cl, vorgekühlt |
|---|---|
| Menge | 1 Glas |
| Zeit | 5 Minuten |
| Schwierigkeit | einfach; entscheidend ist die richtige Kokoszutat |
| Stärke | rund 19 g reiner Alkohol je Glas — etwa so viel wie ein halber Liter Bier |
| Alkoholfrei | funktioniert vollständig: Rum weglassen, Ananassaft entsprechend erhöhen |
Was kommt hinein?¶
Die Mengen folgen der Fassung, die das Caribe Hilton in San Juan seit Jahrzehnten als sein Originalrezept angibt. An einer Zutat scheitern die meisten Versuche, und es ist nicht der Rum.
| Menge | Zutat | Hinweis für die deutsche Küche |
|---|---|---|
| 6 cl | weißer Rum | Ein trockener, leichter Rum kubanisch-puerto-ricanischer Art. Dunkler Rum oder Rhum agricole ergeben ein anderes, kräftigeres Getränk — nicht falsch, aber nicht dieses. |
| 3 cl | Kokoscreme (cream of coconut) | Die entscheidende Zutat. Gemeint ist die gesüßte, dickflüssige Kokoscreme, wie sie unter dem Namen Coco López verkauft wird — nicht Kokosmilch, nicht ungesüßte Kokoscreme aus der Dose und nicht Kokoswasser. Notlösung: 3 cl Kokosmilch mit 1 TL Zuckersirup verrühren; das Ergebnis bleibt dünner. |
| 3 cl | Sahne | Kann weggelassen werden; ohne Sahne wird das Getränk frischer und weniger sättigend |
| 18 cl | Ananassaft | Frisch gepresst ist der größte Unterschied zum Barkonsum. Aus der Dose: ungesüßter Direktsaft, gut geschüttelt. |
| 1 Tasse | Crushed Ice | Eiswürfel in ein sauberes Geschirrtuch, mit dem Nudelholz zerschlagen. Ganze Würfel im Mixer ergeben ein wässriges Getränk. |
| 1 | Ananasspalte zum Garnieren | — |
Wie wird sie gemixt?¶
- Glas vorkühlen. Das Glas mit Eiswasser füllen und beiseitestellen, solange gemixt wird.
- Mixen. Rum, Kokoscreme, Sahne, Ananassaft und das Crushed Ice in den Mixer geben und höchstens 15 Sekunden auf hoher Stufe laufen lassen. Länger zu mixen schmilzt das Eis und macht das Getränk dünn.
- Prüfen. Die Konsistenz soll dickflüssig sein und sich gerade noch gießen lassen. Ist sie zu fest, einen Schuss Ananassaft nachgeben; ist sie zu dünn, zwei Esslöffel Crushed Ice.
- Servieren. Das Eiswasser aus dem Glas schütten, die Piña Colada eingießen, mit der Ananasspalte garnieren und sofort servieren. Sie trennt sich innerhalb weniger Minuten.
- Ohne Mixer. Alle flüssigen Zutaten kräftig im Shaker schütteln und über Crushed Ice in das Glas abseihen. Das Ergebnis ist weniger sämig und für viele Geschmäcker das bessere Getränk — es schmeckt deutlicher nach Ananas und Rum und weniger nach Milchshake.


Wer hat die Piña Colada erfunden?¶
Das ist ungeklärt, und die Seite tut hier nicht so, als wäre es geklärt. Es gibt zwei ernsthafte Ansprüche, beide aus San Juan, und keiner von beiden ist durch eine zeitgenössische Quelle belegt.
| Anspruch | Jahr | Was dafür spricht | Was fehlt |
|---|---|---|---|
| Caribe Hilton, San Juan — der Barkeeper Ramón „Monchito“ Marrero | 1954 | Das Hotel führt den Anspruch seit Jahrzehnten, und das Haus war in den 1950er Jahren die einflussreichste Bar der Insel. In manchen Darstellungen wird auch der Kollege Ricardo García genannt. | Kein Beleg aus der Zeit selbst; die Zuschreibung stammt aus späteren Erzählungen des Hauses |
| Barrachina, Alt-San-Juan — der Barkeeper Ramón Portas Mingot | 1963 | Eine Tafel am Lokal hält den Anspruch fest, und Portas Mingot war ein bekannter Barmann seiner Zeit | Das Datum liegt neun Jahre nach dem konkurrierenden Anspruch; auch hier fehlt eine zeitgenössische Quelle |
Belegbar ist etwas anderes, und es ist interessanter als die Streitfrage: Ohne eine puerto-ricanische Erfindung gäbe es das Getränk in dieser Form gar nicht. Ramón López Irizarry, Agrarwissenschaftler an der Universität von Puerto Rico, entwickelte in den 1940er Jahren ein Verfahren, aus Kokosnüssen eine gleichmäßige, gesüßte Creme herzustellen; in den 1950er Jahren kam sie als Coco López in Dosen auf den Markt. Erst damit wurde aus einer aufwendigen Handarbeit — Kokosnuss raspeln, auspressen, süßen — ein Griff ins Regal. Die Piña Colada ist insofern weniger die Erfindung eines Barkeepers als die Folge einer Lebensmitteltechnologie.
Der Name selbst ist älter als beide Ansprüche. Piña colada heißt wörtlich „abgeseihte Ananas“, und Getränke dieses Namens sind im 19. Jahrhundert in der Karibik belegt, ohne Kokos und ohne Rum im heutigen Sinn. Die oft erzählte Geschichte, der puerto-ricanische Freibeuter Roberto Cofresí habe seiner Mannschaft um 1820 eine Piña Colada ausgeschenkt, gehört dagegen zu den Piratenlegenden der Region und ist nicht belegt.
Warum steckt in diesem Glas die halbe Kolonialgeschichte?¶
Weil von den drei Hauptzutaten nur eine aus der Karibik stammt. Die Ananas (Ananas comosus) wurde in Südamerika domestiziert und war durch indigene Gesellschaften längst über die Inseln verbreitet, als die zweite Fahrt des Kolumbus 1493 auf Guadeloupe auf sie stieß. Sie wurde in Europa zur Statusfrucht und ist bis heute das Ornament, das für „tropisch“ steht.
Die Kokospalme dagegen ist hier nicht heimisch. Ihr Ursprung liegt im Indischen und Pazifischen Raum; in den Atlantik kam sie im 16. Jahrhundert mit europäischen Schiffen — die Palme, die heute auf jedem Karibikprospekt steht, ist eine Zuwanderin. Und der Rum ist das Nebenprodukt des Zuckerrohrs, das 1493 mit derselben Fahrt in die Region kam und die Plantagenwirtschaft begründete, für die über Jahrhunderte Menschen aus Afrika verschleppt wurden. Wie aus Melasse Rum und aus Rum ein Welthandelsgut wurde, steht auf der Seite über Rum in der Karibik.
Ein Glas Piña Colada enthält damit eine indigene Frucht, eine asiatische Palme und einen Schnaps aus der Kolonialwirtschaft — verrührt zu etwas, das die Insel im 20. Jahrhundert zu ihrem eigenen Zeichen gemacht hat. Der kreolische Grundgedanke gilt also auch für das, was im Glas steht.
Was macht den Unterschied zu der aus der Bar?¶
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge. Erstens die Kokoszutat: Wer Kokosmilch statt Kokoscreme nimmt, bekommt ein dünnes, leicht wässriges Getränk — das ist der häufigste Fehler. Zweitens der Saft: frisch gepresste Ananas schmeckt säuerlicher und deutlich weniger nach Karamell als Saft aus der Dose, und die Süße der Kokoscreme braucht genau diese Säure. Drittens die Zeit im Mixer: 15 Sekunden binden, 45 Sekunden zerstören — dann ist mehr Schmelzwasser im Glas als Saft.
Und ein vierter Punkt, der kein Fehler, sondern eine Entscheidung ist: Die geschüttelte Fassung über Crushed Ice ist die ältere und in vielen Bars der Insel die übliche. Wer die Piña Colada nur als dickes, süßes Mixgetränk kennt, sollte sie einmal so probieren.
Auf dieser Seite ist sie außerdem der Belohnungstrunk des Inselquiz: je zehn gesammelte Kokosnüsse gibt es eine. Die Gerichte dazu stehen in der Rezeptübersicht — zum Beispiel Mofongo und Arroz con Gandules von derselben Insel. Der Überblick über Getränke und Küche der Region steht im Hub Essen und Trinken in der Karibik.
Quellen und weiterführende Informationen¶
- Discover Puerto Rico — offizielle Tourismusagentur Puerto Ricos: Status als offizielles Getränk der Insel und die konkurrierenden Entstehungsgeschichten
- Kew — Plants of the World Online: Ananas comosus und Cocos nucifera, heimische Areale und Verbreitungswege
- Encyclopaedia Britannica: Stichworte „Pineapple“, „Coconut palm“ und „Rum“
- FAO — Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen: Anbau und Handel von Ananas und Kokosnuss
Quizfrage
Welche puerto-ricanische Erfindung hat die Piña Colada überhaupt erst zum Barmixgetränk gemacht?
Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.