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Das karibische Paradies

Essen und Trinken in der Karibik

Ackee and Saltfish

Ackee and Saltfish

Ackee and Saltfish ist Jamaikas Nationalgericht und wird dort gefrühstückt: gelbe Ackee-Fruchtteile, die aussehen wie Rührei, mit entwässertem Salzfisch, Zwiebel, Paprika und Thymian in der Pfanne geschwenkt. Es ist eines der wenigen Gerichte, bei denen der Einkauf schwieriger ist als das Kochen — und eines der wenigen, bei denen eine Sicherheitsregel dazugehört.

Portionen4
Vorbereitung12–24 Stunden Wässern oder 2 × 15 Minuten Auskochen
Zubereitung25 Minuten
Schwierigkeiteinfach — nur der letzte Schritt braucht eine ruhige Hand
Schärfemild, die Chili wird ganz mitgezogen und wieder entfernt

Was kommt hinein?

MengeZutatHinweis für Deutschland
400 gSalzfisch (getrockneter, gesalzener Kabeljau)Beim portugiesischen, spanischen oder italienischen Händler als bacalhau, bacalao oder baccalà. Frischer Fisch ist kein Ersatz — der Geschmack entsteht durch das Salzen
2 DosenAckee (je etwa 540 g)Nur Dosenware. Frische Ackee gibt es hier nicht, unreif ist sie giftig. Afrokaribischer Laden oder Versandhandel
1Zwiebel, in Streifen
1rote Spitzpaprika, in Streifen
2Tomaten, entkernt und gewürfelt
3FrühlingszwiebelnAuf Jamaika escallion
3 ZehenKnoblauch
1Scotch Bonnet, ganzHabanero ist dieselbe Art. Die Schote bleibt heil und wird vor dem Servieren herausgenommen
6 ZweigeThymian
1 TLschwarzer Pfeffer
3 ELÖl oder Kokosöl
3 Scheibendurchwachsener Speck (optional)Auf Jamaika häufig; ersetzbar durch einen Löffel Butter am Ende

Salz steht bewusst nicht auf der Liste. Der Fisch bringt genug mit — abgeschmeckt wird erst ganz am Schluss, wenn überhaupt.

Wie wird Ackee and Saltfish zubereitet?

  1. Den Salzfisch 12 bis 24 Stunden in reichlich kaltem Wasser im Kühlschrank wässern und das Wasser drei- bis viermal wechseln. Eilige Variante: den Fisch 15 Minuten sprudelnd kochen, abgießen, mit frischem Wasser wiederholen.
  2. Vor dem Weiterarbeiten ein kleines Stück probieren. Er soll angenehm salzig schmecken, nicht beißend. Notfalls noch einmal kochen.
  3. Fisch abtropfen lassen, Haut und Gräten entfernen, das Fleisch mit den Fingern in grobe Flocken zerpflücken.
  4. Speck im Öl auslassen, Zwiebel, Paprika, Knoblauch und die weißen Teile der Frühlingszwiebel fünf Minuten anschwitzen.
  5. Tomaten, Thymian und Pfeffer zugeben, drei Minuten mitdünsten, bis die Tomaten zerfallen.
  6. Die Fischflocken untermischen und drei Minuten mitbraten.
  7. Die Ackee abtropfen lassen und vorsichtig unterheben, nicht rühren — sie ist so zart wie pochiertes Ei und zerfällt sonst zu Brei. Die ganze Chilischote obenauf legen, Deckel drauf, fünf Minuten bei kleiner Hitze ziehen lassen und dabei nur die Pfanne schwenken.
  8. Chilischote entfernen, mit den grünen Frühlingszwiebelringen bestreuen, abschmecken.
Ein Frühstücksteller mit gelber Ackee, Salzfischflocken, Paprikastreifen und gebratener Kochbanane.
Ackee sieht aus wie Rührei, ist aber der Fruchtmantel einer Frucht — und der Grund, warum das Nationalgericht Jamaikas so hell aussieht.

Dazu gehören gebratene reife Kochbanane, gekochte Brotfrucht, fried dumplings oder eine Scheibe hardo bread. Auf Jamaika steht das morgens auf dem Tisch, nicht abends.

Ist Ackee gefährlich?

Unreif ja, reif nein. Die Frucht enthält Hypoglycin, einen Stoff, der den Blutzucker gefährlich absenken kann. Sein Gehalt fällt erst, wenn sich die Frucht am Baum von selbst öffnet. Dann sind ausschließlich die gelben Fruchtmäntel essbar — die schwarzen Kerne und das rosafarbene Gewebe dazwischen nie. Daraus folgen auf Jamaika drei feste Regeln: nicht selbst pflücken, nichts kaufen, was noch geschlossen ist, und dem Aufgehen niemals nachhelfen.

Für die deutsche Küche ist die Frage praktisch entschieden: Es gibt hier nur Dosenware, und die wird aus vollreifen, geöffneten Früchten verarbeitet. Sie ist unbedenklich. Auch im Restaurant auf der Insel ist das Gericht kein Risiko.

Aufgeplatzte rote Ackee-Früchte am Baum mit gelbem Fruchtfleisch und glänzend schwarzen Kernen.
So und nicht anders darf Ackee geerntet werden: Die Frucht muss sich von selbst geöffnet haben. Geschlossene Früchte bleiben am Baum.

Woher kommt Ackee — und woher der Salzfisch?

Von zwei verschiedenen Kontinenten, und beide Wege gehören zur Geschichte der Insel. Die Ackee (Blighia sapida) stammt aus Westafrika und kam nach Angaben des Jamaica Information Service im 18. Jahrhundert nach Jamaika — mit dem Schiffsverkehr des transatlantischen Sklavenhandels. Ihren botanischen Namen trägt sie nach Kapitän William Bligh, der 1793 Exemplare von Jamaika an die Königlichen Botanischen Gärten in Kew brachte. Benannt ist die Pflanze also nach dem Europäer, der sie fortschaffte, nicht nach der Region, aus der sie kam.

Der Salzfisch erzählt die andere Hälfte. Getrockneter Kabeljau aus dem Nordatlantik war billig, hielt ohne Kühlung und wurde als Ration für die Plantagen eingekauft, weil das Land dem Zuckerrohr gehörte und nicht der Ernährung der Menschen, die darauf arbeiteten. Dass auf einer Insel mitten im Meer ausgerechnet importierter Fisch im Nationalgericht steht, ist deshalb kein Zufall, sondern ein Befund. Der Zusammenhang steht auf den Seiten über Kolonialzeit und Zuckerrohr und über Sklaverei und Emanzipation.

Was ersetzt Ackee, wenn keine zu bekommen ist?

Nichts wirklich, und das sollte man wissen, bevor man es versucht. Die häufig genannten Behelfe — Rührei, zerdrückter Tofu, gekochte Kartoffel — treffen nur das Aussehen, nicht den leicht nussigen, ganz eigenen Geschmack. Wer keine Dose bekommt, kocht besser den Salzfisch allein weiter: als buljol mit rohen Tomaten, Zwiebeln, Öl und Limette, wie ihn Trinidad zum Frühstück isst, oder als Escovitch-Marinade zum gebratenen Fisch. Die verwandten Salzfischgerichte der Region stehen unter Accra — Stockfischkroketten.

Warum isst man das zum Frühstück?

Weil der Arbeitstag früh begann und die Hauptmahlzeit mittags lag. Das karibische Frühstück ist deshalb warm und herzhaft, nicht süß: auf Jamaika Ackee mit Salzfisch, gedünstetes Blattgemüse oder mackerel rundown, auf Trinidad Doubles oder sada roti. Dieser Tagesrhythmus hat sich gehalten, auch wo die Arbeit eine andere geworden ist. Wie er sich über den ganzen Inselbogen verteilt, steht bei den typischen Gerichten der Antillen; die Insel dazu beschreibt die Seite über Jamaika, weitere Rezepte die Rezeptübersicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Quizfrage

Ackee sieht auf dem jamaikanischen Frühstücksteller aus wie Rührei. Was ist es in Wirklichkeit?

Ein Versuch. Richtig heißt eine Kokosnuss — zehn davon sind eine Piña Colada.